Nussknacker
Nicht nur zur Weihnachtszeit möchte man die Nuss knacken. Doch wie soll man auf der Ballettbühne das Immergrün des Tannenbaums zum Verschwinden bringen? Wie einen Klimawandel begründen, der im Frühjahr oder Herbst die Schneeflocken walzerselig tanzen lässt? Peter Tschaikowsky hat dafür die Musik geschrieben, und die lässt sich allenfalls umdeuten, nicht aber ignorieren.
Schließlich gehört sie mit zum Schönsten, was dem Ton-setzer eingefallen ist, wie überhaupt sein «Nussknacker» nach Meinung vieler Experten ungleich filigraner, formbewusster, kurz: stimmiger komponiert ist als sein «Dornröschen» oder der «Schwanensee», der allerdings aus einem anderen Grund zum Signaturstück einer ganzen Ballettepoche geworden ist.
Wäre da nicht die Geschichte, weswegen sich schon die «Serapions-Brüder» in die Wolle kriegen. Für den ersten der vier gleichnamigen Sammelbände hat E. T. A. Hoffmann nicht nur sein 1816 erstmals veröffentlichtes Kindermärchen «Nussknacker und Mausekönig» überarbeitet. Er lässt es darin auch von Lothar als seinem Alter Ego erzählen, und der stellt sich im Anschluss dem Widerspruch seiner anderen Stellvertreter – ein Kunstgriff, der auf raffinierte Weise alle ...
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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Hartmut Regitz
Baden-Baden
Schwanensee
Rund um Weihnachten werden sich echte Ballett-Liebhaber weder in den alpinen Ski-Zirkus noch auf mediterrane Sonnentankstellen begeben. Ihr Wallfahrtsort heißt Baden-Baden, wo auch in diesem Jahr das Sankt Petersburger Mariinsky-Ballett gastiert, mit dem dreiteiligen Programm «Chopiniana», «The Firebird», «Scheherazade» (21. Dez.), «Giselle»...
Der Regisseur Dominique Delouche brachte es auf den Punkt: Yvette Chauviré hat «den Tanz zu vollkommener Reinheit geführt, war darin Künstlern wie dem Maler Matisse, wie dem Dichter Racine vergleichbar.» Mit 99 Jahren ist die Tänzerin am 19. Oktober in Paris verstorben. In der Stadt, die ihr seit der Geburt am 22. April 1917 Heimat war.
Mit zehn Jahren wurde Yvette...
In Frankreich versteht man sich hervorragend darauf, das Tanzpublikum zu vervielfachen. Bereits sprachlich lässt sich mühelos ein Plural bilden: «tous publics». Gemeint ist: alle Altersstufen. Aber auch: alle sozialen Schichten. Der Choreograf Angelin Preljocaj brauchte sich mit solcher Zielgruppenorientierung bislang nicht zu beschäftigen. Der Kategorie ...
