Nicki Liszta, Foto: Daniela Wolf

Nicki Liszta

In Stuttgart gibt es Ballett, Ballett, Ballett – und diese Choreografin, die wie im Alleingang das Fähnchen des zeitgenössischen Tanzes hochhält. Wie sich das anfühlt, erzählt sie Angela Reinhardt.

Tanz - Logo

Durch eine freie Szene, die praktisch am Verstummen ist, hallen ihre Stücke wie kleine Explosionen. Gleich mit ihrem Erstling «zwischen häuten» räumte Nicki Liszta 2008 den Stuttgarter Theaterpreis für die beste Tanzproduktion ab. Seitdem hält sie in der Stadt von Ballettwunder und Gauthier Dance das Fähnchen des zeitgenössischen Tanztheaters hoch, wirft Körper gegen Wände und lässt Hälse von Beinscheren zudrücken, reißt das Publikum mit rohem Fleisch oder Durch-die-Nacht-Stolpern aus seiner passiven Zuschauerhaltung.

Man ist immer ein bisschen auf der Hut in diesen Stücken, zu oft passiert Überraschendes, kippt Idylle in Gewalt und öffnen sich Abgründe hinter den Fassaden. Lisztas Kunst verkleinert den Abstand zwischen Künstler und Publikum, sie ersetzt ästhetisches Betrachten oder passives Hinterhergrübeln durch Situationen des Schreckens und der Distanzlosigkeit, provoziert eine körperliche Reaktion auf das Gesehene. 

Wie fühlt sich das an, so fast allein auf weiter Flur? «Man spielt schon mal mit dem Gedanken, soll ich nach Brüssel ziehen oder nach Berlin ...?», sagt die Choreografin mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Es ist natürlich in einem gewissen Sinne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2018
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Angela Reinhardt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Autobiografie: David Hallberg

Eine schwere Verletzung ist für Tänzer ein einschneidendes Erlebnis, umso mehr, wenn sich Operationen und Genesung über zwei Jahre hinziehen. David Hallberg, Erster Solist beim American Ballet Theatre, verarbeitet sein Trauma in einer gut geschriebenen Autobiografie, spannt darin den Bogen von seinen ersten Stepptanzschritten in der heimischen Waschküche hin zur...

Play

Es könnte Chanel sein. Vielleicht auch Hermès. Auf jeden Fall glitzert die Jacke der Dame – Sitzplatz im Palais Garnier: erste Reihe, Balkon links – so golden wie eine mit Brokat überzogene Weihnachtskugel. Verhaltener ist das Lächeln, das Aurélie Duponts Lippen umtänzelt. Immerhin dürfte an diesem Abend einige Anspannung im Spiel sein. Spiegelbildlich zur...

CD des Monats 1/18

Geplant hat er vieles. Ein «Aphrodite»-Ballett etwa, «Amphion», «Daphnis et Chloé», «Masques et Bergamasques», und unter dem vielversprechenden Titel «Crimen Amoris» ein «Poème chanté et dansé d’après Verlaine». Wirklich zu Ende komponiert hat Claude Debussy nur «Jeux», und das im Auftrag der Ballets russes: eine choreografische Ménage à trois, beunruhigend in...