Newcomerin: Sofia Nappi
Schrullige Greise kramen Erinnerungen aus einem Rollkoffer: Miniatur-Instrumente und alte Tanzschritte. In Wams und Blümchenkleid schwelgen sie in einem Tanztee. Dann mischen sich fremdartige Bewegungen hinein, und irgendwann passen die grauen Köpfe nicht mehr zum agilen Unterbau, die runzligen Masken fallen.
Befreien sich hier junge Körper aus dem Denken alter Köpfe, oder fühlen sich die alten Menschen so jung, wie ihre Glieder sich bewegen? In der weichen, wogenden Sprache von Sofia Nappi blitzen Locking, Gaga und nordisch inspirierte Groteske auf, die sittsamen Figuren wirken ziellos und verkümmert, sie suchen im sepiafarbenen Dunkel nach der Identität, die ihnen abhanden kam. Das feine, detailversessene Kammerstück «IMA» war 2022 beim Stuttgarter «COLOURS»-Festival zu Gast und brachte Nappi internationale Einladungen für ihre Kompanie Komoco ein; in Auftrag gegeben hatte es Marie Chouinard für Venedigs «Biennale Danza» 2020.
Nappi mag die erdnahe Groteske, das Schlenkern und Wogen lieber als athletisch-gestreckte Körper und strahlende Jugend. Ihre Stücke sind auf unmerkliche Weise verstörend, und doch zeigen sie eine große Liebe zu den gekrümmten, in sich gekehrten Wesen. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2023
Rubrik: Side step, Seite 18
von Angela Reinhardt
Große Bühne, große Fragen und großes Ensemble: «10 Odd Emotions» bringt die 13 Tänzer*innen der Dresden Frankfurt Dance Company mit Spieler*innen von Schauspiel Frankfurt, Wiener Burgtheater und drei Performer*innen aus Israel (Adaya Berkovich, Bat El Dotan, Isaiah Wilson) sowie den Musikern Omer Klein und Silvan Strauß zusammen. Konzept, Regie und Choreografie...
Olga Esina
Sie ist – egal in welcher Rolle – eine strahlende Erscheinung und eine Tänzerin, die der Aufführung mühelos ihren Stempel aufdrücken kann. Die Erste Solistin des Wiener Staatsballetts im Porträt
michael turinsky
Der Wiener Choreograf Michael Turinsky ist studierter Philosoph und passionierter Langschläfer. Und er ist mit einer Zerebralparese behindert....
Erleichterung und Stolz spüre ich bei Elaheh Hatami, als ich sie zu einem Gespräch über ihr im Herbst erschienenes Buch «Glocal Bodies – Dancers in Exile and Politics of Place: A Critical Study of Contemporary Iranian Dance» in Berlin treffe. Es ist ihre Dissertation, die sie 2021 an der Freien Universität Berlin bei Gabriele Brandstetter abgeschlossen hat. Hinter...
