nancy: pierre rigal «standards»
Sie sind zu acht, haben ihre Sneakers ausgezogen und betreten den Tanzteppich auf Zehenspitzen. Respekt nennt man das unter Urban Dancers, die den Altar des Bühnentanzes erobern. Ihr Schuhwerk tragen sie wie Hüte auf dem Kopf. Gott schütze ihre Kunst. Quer übers Gesicht ist fluoreszierende Kriegsbemalung aufgetragen. Auf gelben und orangefarbenen Socken schleichen sie über eine Bühne, die in den Farben der Trikolore blinkt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ohne Sneakers ist ein Breaker nackt. Das identitätsstiftende Schuhwerk aber kleidet ihre Fäuste im Boxkampf. Fighting Shoes.
Urban Dance beginnt beim sicheren Stand. Die Sockenheiligen des zeitgenössischen Tanzes sind diesem Team sichtlich suspekt.
DJ Nihil Bordures gibt am Teller Gas, und die vier Frauen, vier Männer würden am liebsten in jeden Stunt gehen, den sie je im Break gelernt haben. Aber ihr Meister, Pierre Rigal, ein ehemaliger 400-Meter-Läufer, hält die Hürden flach. Con-tem-po-ra-ry, das muss sein. Die Rhythmik des Meister-DJs hangelt sich von Höhepunkt zu Höhepunkt. Die acht arbeiten auf der Tanzbühne schnell, noch schneller, im Akkord. Wer gerade raus ist, liegt bäuchlings am Teppichrand auf der Lauer. Längst ...
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Tanz November 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 49
von Arnd Wesemann
Wie Sprache performativ werden kann wenn sie sich einer visuellen Methode bedient, leitet Jeroen Coppens in seinem Beitrag in «Bewegung Lesen. Bewegung Schreiben» anschaulich her. Derlei gedruckte Sprache befreie die Lesenden von der Autorität eines Autors.
Wer über Tanz schreibt, kann sich selbst von der Vorstellung befreien, dass mit der Rezeptionserfahrung...
«Das könnt ihr besser, Leute! Keiner zupft an seinen Klamotten, keiner spricht auf der Bühne!» Jo Parkes vom Berliner Verein TanzZeit pflegt eine klare Ansprache. Die Viertklässler der Erika-Mann-Grundschule aus dem Wedding, die sich im Radialsystem auf die Generalprobe von «Nur keine Angst» vorbereiten, schauen ein bisschen belämmert drein. Dass Kunst so viel...
«Die Uhr ist der Choreograf», sagt William Kentridge. Und spricht zwei Ebenen an: Die Jetztzeit des Bühnengeschehens und die Geschichte als Arrangeur neuer Epochen. Gerade erst ist die Kasseler «documenta 13» zu Ende gegangen, auf der Kentridges Installation «The Refusal of Time» Furore machte. Jetzt legt er eine Kammeroper nach: «Refuse the Hour», eine szenische,...
