Nackenschläge
Der Titel ihres letzten Stücks trifft auch auf Kat Válastur zu: «Strong-Born», stark geboren. Es ist die wörtliche Übersetzung des Namens Iphigenie. Die Tochter Agamemnons ist bereit, für Griechenland zu sterben – was für eine Botschaft steckt in der Tragödie «Iphigenie in Aulis» von Euripides! Die hat Válastur neben einem archaischen Ritual aus Nordgriechenland zur Grundlage dieser Arbeit gemacht.
Die Berliner Choreografin fürchtet sich nicht vor den großen antiken Menschengeschichten, sie sucht ihre Bedeutung und Wirkung im Heute, eine Suche, die sich durch ihr gesamtes Werk zieht. In «Strong-Born» verbinden sich drei wirklich starke Tänzerinnen in einem von Klang und Rhythmus getriebenen Ritual. Und das erstaunte, begeisterte das Publikum beim Festival «Tanz im August» vergangenen Sommer in Berlin: Wie aus der Gegenwart gezogen, verließen die Zuschauer den Saal.
Über Nacht am Abgrund
Damals, Mitte August, wusste Válastur bereits, dass die Jury, die die Empfehlungen für die Berliner Basis- und Konzeptförderung für den Haushalt 2024/25 abgegeben hat, ihre Arbeit nicht länger fördern wollte. Über Nacht am Abgrund stehen: Kat Válastur war wie vor den Kopf geschlagen. Wie sollte es ...
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Tanz Dezember 2023
Rubrik: Resilienzkünstler*innen, Seite 29
von Claudia Henne
Heinz-Bosl-Stiftung München
BÜHNE FÜR DEN TANZNACHWUCHS
Herbst-Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung, die 45.: Diese Sonntagmorgen vor Eltern, Onkeln, Tanten und Menschen, die den Bühnentanz fördern wollen, indem sie ihn ideell und materiell unterstützen, sind längst schon Kult. Im Rampenlicht stehen bei der aktuellen Matinee, die Anfang Dezember noch einmal wiederholt...
Da kann wirklich niemand widerstehen: Ein Ballett über George Gershwin muss natürlich auf der Klaviatur all der wunderbaren Songs daherkommen, die der Amerikaner – Sohn russisch-jüdischer Einwanderer – komponiert hat. Von «I Got Rhythm» bis «Summertime», von «Love is Here to Stay» bis «The Man I Love» und und und … einmal quer durch die Galerie unsterblicher...
Die Wahl des Themas ist tatsächlich «zeitgeistig», wie der neue Grazer Ballettchef und Dramaturg Dirk Elwert in seiner Einführung vor der Premiere von «Orlando» bemerkt. Virginia Woolfs vielbeachteter Roman aus dem Jahr 1928, in dem klug mit der Uneindeutigkeit von Geschlechtern gespielt wird – damals auch Thema in der modernen Tanzszene –, passt genau zu aktuellen...
