Gregor Zöllig «Carmina burana»
Wenn man ein Tanzstück zu Carl Orffs «Carmina Burana» choreografiert, dann ist es souverän, im Programmheft Eric Friesens Aufsatz «Der Big Mac der klassischen Musik?» abzudrucken. Weil Friesen hübsch dualistisch beschreibt, dass die 1937 uraufgeführte Kantate erstens politisch schwierig ist (Orff war zwar wohl kein Nazi, durchaus aber ein Nutznießer des Regimes) und zweitens ein bisschen trivial daherkommt – um die Vorwürfe zumindest teilweise zu entkräften.
Der Braunschweiger Tanzchef Gregor Zöllig weiß also, dass er mit «Carmina Burana» Mainstream choreografiert, er weiß auch um die Probleme dieses Mainstreams. Und er weiß, wie er das Beste daraus macht. Zöllig kommt aus der Stuttgarter Cranko-Schule, aber seine «Carmina Burana» liegt auf Tanztheater-Linie: Was ihn an dem Stoff interessiert, ist das Ritual, das als Bindeglied zwischen religiösen Liedern und zutiefst weltlicher Thematik fungiert. Über weite Strecken ist diese «Carmina Burana» eine Choreografie entlang ritualisierter Bewegungsmuster, Ekstase, Trance, Erschöpfung, auch erotische Verzückung sind wichtige Elemente. Barfuß, in weiten Hosen und engen Oberteilen (Kostüme: Imme Kachel) wirbeln die 15 Tänzer*innen über ...
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Tanz Dezember 2023
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Falk Schreiber
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