Münster: Hans Henning Paar «Der himmlische Spiegel»

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Der Beginn ist Ursuppe: Brodelnde Flüssigkeit auf einen Gazevorhang projiziert, dazu Blubbergeräusche. Gestalten kriechen, richten sich mühsam auf und brechen wieder zusammen. Noch ist die Schöpfung am Anfang, bis sich zwei Wesen erheben und die ersten Menschen entstehen. Zu sphärischen Klängen dirigiert Gott seine Geschöpfe Adam und Eva wie mechanische Puppen. Der Garten Eden bleibt dunkel und mystisch, nur scheinbar friedlich, das Böse lauert schon.

 

Es ist ein Meisterwerk der Utopie und Dystopie, schon 500 Jahre alt und doch so zeitlos, dass es sich als Inspiration für modernes Tanztheater eignet. «Der Garten der Lüste» des Malers Hieronymus Bosch hat zuletzt Marie Chouinard zu einem großen Opus inspiriert – und jetzt Hans Henning Paar zu «Der himmlische Spiegel». Und wie das als Triptychon angelegte berühmte Wimmelbild zeigt auch der Münsteraner Tanzchef die Menschheitsgeschichte von der Entstehung bis zum Untergang in fantastischen, mitunter grotesken Szenen.

Paar setzt auf Reduktion, zitiert Elemente der Bosch-Welt, ohne sie konkret nachzustellen. Das 13-köpfige Ensemble ist in erdfarbene Ganzkörpertrikots gekleidet, deren Muster an Risse in getrockneter Erde erinnern. Die ...

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Tanz März 2020
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Kirsten Pötzke

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