münchen: simone sandroni «das mädchen und der messerwerfer»
Ließe sich die Welt so einfach einteilen, stünde Boxen für Männlichkeit, Tanzen für Weiblichkeit. Der Dichter Wolf Wondratschek steht auf Boxen und auf Tanzen. Und verehrte die Ballerina Gislinde Skroblin. Das ist 15 Jahre her. Er schrieb ihr einen Zyklus von 35 Gedichten mit dem verheißungsvollen Titel «Das Mädchen und der Messerwerfer» und wollte stets, dass dieser Zyklus auch getanzt würde. Ivan Liška, Chef des Bayerischen Staatsballetts, beauftragte nun Simone Sandroni, daraus ein Tanzstück zu machen.
Seine beiden Titelfiguren beließ Wondratschek im Nirgendwo, hingegeben einem unüberwindlichen Ennui. Der Wanderzirkus, den das Mädchen und der Messerwerfer verließen, war nur schäbige Kulisse ihrer ungefähren Existenz. Ihre Beziehung ist nicht klar definiert, wird zusammengehalten von Liebe ohne Sexualität, einer dafür umso gefährlicher schwelenden Erotik, wenn das Mädchen sich den artistischen Künsten des Messerwerfers hingibt.
Ein altmodischer Mensch würde aus diesem Stoff eine Bühnenversion von «La Strada» herauslesen. Ein moderner Geist würde die Geschichte im Ungefähren belassen. Simone Sandroni, der 2008 fürs Bayerische Staatsballett schon mal einen aktionsreichen «Cambio ...
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Tanz Juli 2012
Rubrik: highlights, Seite 40
von Eva-Elisabeth Fischer
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