Montpellier: Maguy Marin «Ligne de crête»

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Viele würden die Metapher vom Tanz auf dem Vulkan bemühen. Da sind der Klimawandel, die Wiederkehr von Populismus, Abschottung und Kriegsgefahr sowie die Gewalt sozialer Ungleichheit. Doch die Reichen dieser Welt tanzen weiter, wie auf der Titanic. Maguy Marin hat das alles abgearbeitet, in ihrem vorherigen Stück, «DEUX MILLE DIX SEPT». In Großbuchstaben. Sie kann also die Ursachenforschung in Angriff nehmen. Und sie lässt sich dazu ein unerwartetes Bild einfallen: die Scheitellinie, den Bergkamm, eben «Ligne de crête». Der Titel verspricht Zittern, Spannung und Dramatik.

Wenn wir auf dem Bergkamm wandeln, kann in jedem Moment alles kippen und vorbei sein. Nervenkitzel pur. 

Aber was kredenzt Marin? Ein Epos, so geradlinig und vorhersehbar wie noch keines aus ihrem Hause. Mit Absicht. Denn die Stoßrichtung von «Ligne de crête» ist nicht der Thriller, sondern die Soziologie. Wie steht es heute um unser Begehren, unsere Leidenschaft? Sind wir eigentlich noch wir selbst? «Ligne de crête» ist ein choreografischer Gruß an Frédéric Lordon, Vordenker der Bewegung «Nuit Debout», die 2016 von Paris aus versuchte, der Demokratie neuen Atem einzuhauchen, ähnlich wie Podemos in Spanien. 

Mag ...

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Tanz Februar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 40
von Thomas Hahn

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