Mitten im Sturm

Als Tänzer interpretiert er die unterschiedlichsten choreografischen Handschriften mit natürlicher Eleganz und Cleverness. Aber auch als Choreograf weiß sich Philippe Kratz zu behaupten.

Philippe Kratz betrachtet jede Kreation als Fortentwicklung der Tanzkunst und weiteren Schritt auf dem Weg künstlerischer Selbsterkenntnis. Während unserer Skype-Konversation, die der gebürtige Leverkusener in geschliffenem Italienisch bestreitet, macht er dies mit einer Dringlichkeit deutlich, die seinen wachen Intellekt unterstreicht. Der blitzt auch in seinen Augen auf, wenn er lebhafte Erinnerungen schildert, die weit in die Kindheit zurückreichen.

Philippe Kratz, wie kamen Sie zum Tanz? Ich war etwa vier Jahre alt, saß mit meiner Mutter in einem libanesischen Restaurant in Düsseldorf. Als wir mit dem Essen fertig waren, trat eine Bauchtänzerin auf. Ich stand nur regungslos da und war komplett gebannt. In dem Moment beschloss meine Mutter, mich zum Tanzunterricht zu schicken.

Wie kamen Sie damit klar? Gerade jüngere Kinder empfinden die strengen pädagogischen Richtlinien ja oft als Schock.
Ich besuchte einen vorbereitenden Ballettkurs, und das gefiel mir total! Vor allem liebte ich das kreative Experimentieren – ich habe schon im Kindergarten die anderen Kids inszeniert, kleine Shows gemacht. Performen hing für mich schon ganz früh mit Bewegung zusammen, und ich merkte auch ...

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Tanz Juni 2021
Rubrik: Menschen, Seite 34
von Silvia Poletti

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