Mittelsmann

Vor 120 Jahren geboren, hat der Choreograf Frederick Ashton mit «La Fille mal gardée» ein Meisterwerk geschaffen. Wer es einstudieren will, verhandelt darüber mit einem Agenten: unserem Autor Mike Dixon

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 «Sie haben gestern Abend ‹La Fille mal gardée› in Covent Garden gesehen? Wie war’s denn?» Der mich das Anfang der 1970er-Jahre fragte, während wir im Salon seines Hauses in Chelsea saßen, war Sir Frederick Ashton: 1904 geboren, wäre er 2024 120 Jahre alt geworden. Tänzer, Choreograf und von 1964 bis 1970 Direktor des Royal Ballet in London, verdankt die Ballettwelt ihm Meisterwerke wie «Symphonic Variations», «Cinderella» oder das 1960 inszenierte «La Fille mal gardée».

Ich gab ihm also seinerzeit bei unserem Gespräch eine detaillierte Analyse der von mir besuchten Vorstellung. Er unterbrach mich nicht, bis ich meinen Bericht beendet hatte, und sagte dann: «Einige Leute vom Fach werden sagen, dass Sie keine Ahnung haben, wovon Sie sprechen. Richten Sie denen von mir aus, dass das Gegenteil der Fall ist. Junger Mann, Sie haben ‹den Blick›, und das ist eine sehr seltene Gottesgabe.» Die Tragweite dieses Kompliments, das der Student, noch keine zwanzig Jahre alt, seinerzeit von dem kongenialen Choreografen empfing, wurde mir erst viele Jahre später vollends bewusst – nämlich als Alexander Grant, der die choreografischen Rechte an «La Fille» geerbt hatte, mir versicherte: «Das hat ...

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Tanz Dezember 2024
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 52
von Mike Dixon

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