Michal Sedlácek «Körperwelten»

Halle

Tanz - Logo

Kann eine Kamera auf der Bühne als Teil des Spiels funktionieren? Ja, wenn der Mann dahinter Henk van Dijk heißt, der Choreograf Hans van Manen und das Stück «Live» (tanz 1/21). Anders verhält es sich, wenn der Abend um einen Fotografen, eine Fotografin herum gebaut wird.

Das lässt sich sowohl an der aktuellen Grand Show «Arise» im Berliner Friedrichstadtpalast studieren als auch an der jüngsten, von hohen Erwartungen begleiteten Produktion des Ballett Halle: «Körperwelten», in Anlehnung an Gunter von Hagens Faszien-Prep-Schau betitelt und von Hausherr Michal Sedláček choreografiert, will zu viel und versinkt deshalb in einem Overload an Bildern.

Schon die Nacherzählung des Plots, den Sedláček und sein Dramaturg Boris Kehrmann erdacht haben, ufert aus. Es geht um eine Fotografin, die im Säuglingsalter ein schweres Trauma erlitten hat: Die eigene Mutter versucht, das Kind zu ertränken, als Reaktion auf einen Ehebruch. Das Mädchen wird gerettet und wächst bis zu dessen Tod beim nunmehr alleinerziehenden Vater auf – Großfürst der zeitgenössischen Kunst. Dessen Entourage (trans Frau, cis Frau, cis Mann) bedrängt die Tochter, die jedoch aufgrund der Geschehnisse und des erzwungenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2023
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Ricardo Fernando «The Fairy Queen»

Oper und Ballett kennen sich schon sehr lange. Nicht selten konkurrieren sie wie Bruder und Schwester um die Aufmerksamkeit des Publikums – umso spannender also, wenn man sie versuchsweise miteinander verheiratet. Am Staatstheater Augsburg hat Ballettdirektor und Chefchoreograf Ricardo Fernando nun die Semi-Opera «The Fairy Queen» (1692) von Henry Purcell...

Healing

«I imagine that when more of us begin to understand dance as a healing art, there will be a natural growth toward dance as a community art.» Das Körperwissen, das Anna Halprin (1920 – 2021) durch ihre Selbstheilung von einer Krebserkrankung und künstlerische Arbeit mit Kollektiven seit den 1970er-Jahren entwickelt hat, wird für sie zu einer Vision von Tanz als...

Nie barfuß

Im Grunde war Maia Makhatelis Weg vorgezeichnet. Der Großvater ein gefeierter georgischer Volkstänzer, die Großmutter Opernsängerin, der Vater, Nikolas Makhateli, Solotänzer am Georgischen Nationaltheater in Tiflis, die Mutter Balletttänzerin und Tanzlehrerin, der ältere Bruder Principal Dancer beim Londoner Royal Ballet ... dass Maia ihre Kindheit im Theater...