Meg Stuart zeigt «Blessed»
Regen, strömender Regen, Dauerregen auf der Bühne. Durch seine zerstörerische Wucht aus dem Bühnenhimmel knickt erst die aus Pappe geschnitzte Palme, dann sackt der aus Pappe gebaute Riesenschwan in sich zusammen. Zum Schluss gibt auch der einzige Schutz, eine Bushaltestelle aus Pappe, unter der Last des Regens nach. Sie begräbt den portugiesischen Tänzer Francisco Camacho, der noch vor wenigen Minuten die Palme bewunderte und den Schwan herzte und wie ein junger Nijinsky in Zeitlupe und in Badelatschen durch sein Paradies tanzte.
Jetzt ist er unter einstürzenden Provisorien begraben, der arme Tropf. In Echtzeit, durch die allmähliche Wirkung des Wassers, lösen sich die Insignien des Südens, des Balletts und des Schutzstands auf. Vom Exotismus blieb nur El Nino. Das, was uns schützen soll vor Tsunamis, Tornados, tauende Gletscher und Pole, hält nicht stand. Die in ihre Einzelteile zerfallenden Werke der Installations-Künstlerin Doris Dziersk zerreibt der Dauerregen, wie zuletzt ganz Bolivien in den Fluten versank. Man denkt an so was, weil Camacho, der unter immer kleineren Pappfetzen immer sinnloser nach Unterschlupf sucht, sich eine Maske aufsetzt, mit rotem Bart und bunten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Zu Tisch!» ruft die Mutter, wenn das Essen kalt wird. Falls es nicht schmeckt: Tabula rasa ist der Königsweg, reinen Tisch zu machen. Am grünen Tisch, das demonstrierte schon Kurt Jooss, wird gepokert, bis das Tischtuch zerschnitten ist. Auch ein gutes Tangopaar kann seine ochos auf einem Bartisch drehen. Das alles wussten wir. Doch jetzt kommt raus: Immer mehr...
Here we go again, Tanztheater. In Gregor Zölligs neuer Choreografie «Vier Jahrezeiten» tragen die Tänzer wieder mal Unterwäsche, legen ihre Gesichter in Blumenerde, oder kuscheln sich zu zweit in ikeabunt bezogene Decken (wohnst du noch, oder performst du schon?). Der Frühling ist voller Gefühle, der Sommer voller Hitze, der Herbst melancholisch und der Winter...
Der Choreograf des Centre chorégraphique national in Aix-en-Provence ist angeklagt, in vierzehn Jahren und 453 Aufführungen durchschnittlich 675 Euro pro Aufführung an Tantiemen für Interpreten hinterzogen zu haben. Zuzüglich Zinsen, Strafgebühren und Steuern ergibt das laut Spedidam schlappe 473 000 Euro, oder zehn Prozent des aktuellen Jahresbudgets. Wer ist hier...
