Marlene Monteiro Freitas «NÔT»
Während das Publikum auf der imposanten Tribüne im Ehrenhof des Palais des Papes seinen Platz sucht, zieht ein Performer im Minirock durch kreisende, beinahe hypnotisierende Hüftbewegungen in seinen Bann. Ein unterhaltsamer Auftakt zur Premiere beim «Festival d’Avignon», wo Marlene Monteiro Freitas «1001 Nacht» anti-exotisierend auseinandernimmt. «NÔT» verweist auch auf das Wort für «Nacht» in der kapverdischen Kreolsprache, Heimat der Choreografin.
Zunächst betritt eine puppenhafte Gestalt, vielleicht eine der vielen Scheherazades an diesem Abend, die Bühne.
Sie trägt eine Maske: leblose Augen, fahlgelbliche Haut, rote Bäckchen. Hektisch schrubbt sie ihre Umgebung. Die metallisch-weiße Konstruktion auf der Bühne erinnert an Gefängniszellen – steril, von außen einsichtig und auf das Nötigste reduziert, fügt sie sich gut ein in die Kulisse des mittelalterlichen Palastes. In samtenen schwarz-weißen Kutten treten nach und nach die acht Performer*innen auf.
Man hört und sieht militärisch anmutenden Trommelwirbel, der live performt wird, das Bereinigen von Spuren auf blutverschmierter Wäsche und immer wieder die ans Figurentheater erinnernden Puppenmasken. Dazu hysterische Herrscher, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2025
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Aileen Gharaei
Das Publikum ist seit Corona mit seinen Reaktionen kein Gradmesser mehr für künstlerischen Erfolg – keine Vorstellung kommt mittlerweile ohne enthusiastische Standing Ovations aus. Das ist beim Doppelabend «Vice Versa» an der Semperoper Dresden nicht anders. Dabei ist Sidi Larbi Cherkaouis «Noetic» (2014) denkbar emotionsarm: Mittels langer, flacher...
Es kann auch besser laufen als in Hamburg (S. 52): Seit Anfang der Spielzeit dirigieren Bridget Breiner und Raphaël Coumes-Marquet (tanz 12/23) das Ballett am Rhein, dessen Auftritte sich auf die Opernhäuser in Düsseldorf und Duisburg verteilen. Die Zuständigkeiten sind klar geregelt: Sie amtiert als Chefchoreografin und sorgt fürs künstlerische Profil, er ist der...
2014 ging Jiří Kylián einen radikalen Schritt. Er entzog dem Nederlands Dans Theater (NDT) für drei Jahre die Aufführungsrechte für seine Stücke. Fast ein Vierteljahrhundert lang, von 1975 bis 1999, hatte der Tscheche als künstlerischer Direktor die Ästhetik der Compagnie in Den Haag geprägt und das NDT weltberühmt gemacht; weitere zehn Jahre war er der Compagnie...
