Marina Otero «Kill Me»
Otero ist punk. Sie ist Kult. Und der Begriff der «Tanzautorin» passt auf sie wie auf niemanden sonst. Otero bringt ihre eigenen Texte zum Tanzen. Texte, die das surreale, dramatische, emotional chaotische und oft obsessive Gefühls-, Berufs- und Liebesleben der Argentinierin verhandeln und gleichzeitig neu erfinden. So verweist sie Trennlinien zwischen biografischer Authentizität und Fantasie in den Bereich der Fiktion.
In «Fuck me», «Love me» und schließlich «Kill me», uraufgeführt bei «Montpellier Danse» im Sommer, schlägt sie zu wie eine verbale Boxerin, bearbeitet ihr Double, das niemand anderes ist als sie selbst. «Ich spürte, dass die erfundene Marina mich vor der realen würde retten können», erklärt sie. Und liefert ungeschminkte Wahrheit, psychisch und physisch: «Ich weiß, dass ich Sie schockieren werde, aber ich spreche es lieber aus, als zu schweigen!» Was nicht automatisch bedeutet, dass Voyeure hier auf ihre Kosten kämen. Da zählt Otero die Symptome eines (ihres?) Borderline-Syndroms auf und erklärt: «Es existiert kein Pakt der Wahrheit mit der Biografie, da sich zu erinnern ohnehin bedeutet, dass man retouchiert.»
Ihre Trilogie stellt sie unter den Titel «Recordar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2024
Rubrik: Kalender, Seite 26
von Thomas Hahn
Adieu
Rebecca Horn
33 Schreibmaschinen hängen von der Decke der Hamburger Kunsthalle. Sobald jemand den Raum betritt, beginnen die Maschinen zu klappern, chaotisch, aggressiv, erratisch. Wie ein Insektenschwarm, der plötzlich lautstark um einen herumschwirrt, ohne böse Absicht, aber dennoch beunruhigend. Zumal ein Blindenstock dazu den Takt auf den Fußboden...
Irgendwie gehört der Mann hierher, nach Paris. In Israel geboren, lebt er zwar seit Langem in Großbritannien. Trotzdem kehrt er regelmäßig zurück in die französische Kapitale, um mitten in ihrer bauhistorisch beschwingten Kulisse Stücke zur Uraufführung zu bringen, die der Gegenwart empfindlich auf den Zahn fühlen. Derart mitleidlos, dass es beim Zusehen schmerzt....
Ein Sommertag in Charlottenburgs schönster Ecke, wo die Straßen allesamt nach Bäumen benannt sind. Im Hochparterre einer Jugendstilvilla empfängt Hanns Zischler, einer der berühmtesten Schauspieler der Republik: Wenders, Schlöndorff, Petersen, Godard … nur einige eminente Regisseure, mit denen er gedreht hat. Außerdem hat er wunderschöne Bücher geschrieben, über...
