Marina Otero «Kill Me»
Otero ist punk. Sie ist Kult. Und der Begriff der «Tanzautorin» passt auf sie wie auf niemanden sonst. Otero bringt ihre eigenen Texte zum Tanzen. Texte, die das surreale, dramatische, emotional chaotische und oft obsessive Gefühls-, Berufs- und Liebesleben der Argentinierin verhandeln und gleichzeitig neu erfinden. So verweist sie Trennlinien zwischen biografischer Authentizität und Fantasie in den Bereich der Fiktion.
In «Fuck me», «Love me» und schließlich «Kill me», uraufgeführt bei «Montpellier Danse» im Sommer, schlägt sie zu wie eine verbale Boxerin, bearbeitet ihr Double, das niemand anderes ist als sie selbst. «Ich spürte, dass die erfundene Marina mich vor der realen würde retten können», erklärt sie. Und liefert ungeschminkte Wahrheit, psychisch und physisch: «Ich weiß, dass ich Sie schockieren werde, aber ich spreche es lieber aus, als zu schweigen!» Was nicht automatisch bedeutet, dass Voyeure hier auf ihre Kosten kämen. Da zählt Otero die Symptome eines (ihres?) Borderline-Syndroms auf und erklärt: «Es existiert kein Pakt der Wahrheit mit der Biografie, da sich zu erinnern ohnehin bedeutet, dass man retouchiert.»
Ihre Trilogie stellt sie unter den Titel «Recordar ...
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Tanz Oktober 2024
Rubrik: Kalender, Seite 26
von Thomas Hahn
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