Maillot
In Monte Carlo geht es in den Berg hinein, ins Grimaldi-Forum tief unter den Mittelmeeresspiegel. Hier leitet Jean-Christophe Maillot seit 16 Jahren die Ballets de Monte Carlo. Seine Ballettversion von Gounods «Faust» 2007 gewann den Prix Benois de la Danse, im März 2007 entstand daraus sein Operndebüt am Staatstheater Wiesbaden. Gounod einmal vertanzt, einmal besungen. Jean-Christophe Maillot erzählt Hartmut Regitz, welche Version er lieber hat.
Jean-Christophe Maillot, Sie haben «Faust» sowohl als Oper als auch als Ballett inszeniert und müssten deshalb ganz gut Vergleiche ziehen können. Was treibt einen Choreografen, sich überhaupt mit Oper zu befassen?
Als mich das Hessische Staatstheater in Wiesbaden vor zwei Jahren beauftragte, Gounods «Faust» zu inszenieren, wurde mir schlagartig wieder bewusst, dass die Oper ein Teil meiner Kindheit war. Mein Vater, von Haus aus Maler, war wiederholt im Musiktheater tätig, und das bedeutete: mich an seine Rockzipfel zu hängen, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Manche Opern, so mein kindlicher Eindruck, zogen sich dabei so in die Länge, dass ich auf den Knien meiner Mutter einschlief. Wann immer ich mich an meine «Opernjahre» erinnere, rieche ...
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Martin Puttke, wir sitzen hier in der Intendanz des Staatsballetts Berlin, wo Sie kürzlich einen Workshop gegeben haben. Was haben Sie den Tänzern beigebracht? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie wir die Klassiker lebendig bekommen. Wir sehen ja, dass Tänzer Schwierigkeiten haben, uns den Siegfried oder die Giselle als heutige Figuren glaubhaft zu machen....
Jean-Georges Noverre schäumt vor Wut in seinem VIII. Brief über die Tanzkunst:Der Tanz, ganz und gar zu Hause in der Oper und wie keine andere Kunst begabt, diese wieder glaubwürdig und anrührend zu machen, ausgerechnet der Tanz verkommt in der Hand von Ignoranten zum gefälligen Ornament. Anstatt die erneuernden Kräfte der Bewegung zu nutzen! Man müsse «die Autoren...
Goyo Montero
«Benditos Malditos»
Nürnbergs neuer Ballettchef feierte seinen Einstand nicht auf einer der großen Bühnen des Staatstheaters, sondern in der Tafelhalle. Egal, ob das nun Understatement ist, logistische Notwendigkeit oder Publikumskreis erweiternder Kunstgriff, irgendwie zu bescheiden wirkt es doch. Immerhin lernt man so die «Benditos Malditos» aus der...
