Madonna

Madonna ist eine Tänzerin. Der Tanz, den sie bei einem Schwulen in ihrem Heimatstaat Michigan lernte, war ihre Fluchtroute aus den Konventionen der Religion und der bürgerlichen Gesellschaft. Die ersten Kämpfe, die ich ihretwegen ausfocht, drehten sich um die Frage, ob sie eine gute oder einfach nur gut dressierte Tänzerin sei. In dem Maß, wie sie im Lauf der Jahre das bemerkenswerte Corpus ihrer Videos mit seiner überwältigenden Zahl von Tanzstilen aufgebaut hat, hatte ich an dieser Front immer weniger zu kämpfen.

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So schrieb Camille Paglia, die große amerikanische Feministin, neben Norman Mailer eine intellektuelle Wegbegleiterin von Pop-Kultur, von der niemand je mehr sagen solle, sie sei Schund. Pop sei im Gegenteil die wahrhaftige Stimme im mediokren Gedudel der Unterhaltungsprogramme. Nicht Anpassung, sondern Widerspruch zum herrschenden Amüsierbetrieb. So waren die 1990er. Sie etablierten die Pop-Kultur in den Feuilletons. Kritiker pflegten das Vergnügen, die Schritte des Boxers Henry Maske mit dem Vokabular eines Balanchine zu beschreiben, so als könne ein Boxer zum Ballettstar taugen. Oder Balanchine zum Pop-Kanon zählen. «Pop ist Widerstand des Körpers gegen die ...

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Tanz März 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

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