Louise Lecavalier: «‹I› Is Memory»
Louise Lecavalier, die wilde Blonde aus Montréal, tanzte früher horizontale Pirouetten bei La La La Human Steps. Heute steigt sie in ihr Stück «‹I› is Memory» wie in ein Auto. Öffnet die Türen in ein Alter Ego, den Trainingsanzug eines B-Boyz: Die Füße nach außen gekippt, grinst sie. Streckt die Zunge raus, schließt die Augen, genießt sich – ganz langsam. Die Zeit, die durch Louise Lecavaliers Körper rinnt, taktet die Betrachter ein, bis jeder Schritt, jede Grimasse, jeder Fingerzeig erscheint als der Mechanismus einer Uhr.
Ihre Beine graben sich wie ein Anker in den Boden, ihr Körper schwingt wie eine Unruh (die den Anker braucht), was ihr Auftrieb ermöglicht: für einen Headspin in Zeitlupe gegen die Schwerkraft. Als Sekundenzeiger kreist sie um sich selbst. Das Stück hat ihr Benoît Lachambre zu den Schweizer Steps 10 im Mai maßgeschneidert, ein kleines Meisterwerk, das sie in jeder Stadt immer mit anderen Tanzminiaturen kanadischer Choreografen kombiniert. Egal von wem inspiriert, Louise Lecavaliers Tanzkunst ist an sich ikonografisch und damit unverwechselbar superb.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Allan Kaprow (1927 – 2006) dürfte einer der einflussreichsten und gleichzeitig einer der unbekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts sein. Kaprow, ein Schüler des abstrakten Expressionisten Jackson Pollock, hat in den 1950ern eine neue Kunstgattung erfunden und den durchschlagenden Namen gleich mit: das Happening. Die Definition ist so simpel wie unwiderlegbar:...
Ina Christel Johannessen’s new ballet “I Have a Secret to Tell You (Please) Leave With Me” turns the world upside down, not once but several times during its duration; a full 90 minutes without intermission. The first thing that catches my attention is the emptiness; the white paper screen surrounding the stage on two sides in combination with a white floor...
DIE RHYTHMUSSTÖRUNG. Die verschiedenen, in Berlin lebenden Kulturen lassen mich an den Ort meines Aufbruchs und meiner konstanten Rückkehr denken: Brasilien. Die Überquerung des Atlantiks verläuft normalerweise schnell, aber die Landung ist immer langsam, sie erfordert nach der Ankunft Konzentration und große Vorsicht.
DIE BEGEGNUNG fordert neue Parameter der...
