Louise Lecavalier: «‹I› Is Memory»

München: Dance

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Louise Lecavalier, die wilde Blonde aus Montréal, tanzte früher horizontale Pirouetten bei La La La Human Steps. Heute steigt sie in ihr Stück «‹I› is Memory» wie in ein Auto. Öffnet die Türen in ein Alter Ego, den Trainingsanzug eines B-Boyz: Die Füße nach außen gekippt, grinst sie. Streckt die Zunge raus, schließt die Augen, genießt sich – ganz langsam. Die Zeit, die durch Louise Lecavaliers Körper rinnt, taktet die Betrachter ein, bis jeder Schritt, jede Grimasse, jeder Fingerzeig erscheint als der Mechanismus einer Uhr.

Ihre Beine graben sich wie ein Anker in den Boden, ihr Körper schwingt wie eine Unruh (die den Anker braucht), was ihr Auftrieb ermöglicht: für einen Headspin in Zeitlupe gegen die Schwerkraft. Als Sekundenzeiger kreist sie um sich selbst. Das Stück hat ihr Benoît Lachambre zu den Schweizer Steps 10 im Mai maßgeschneidert, ein kleines Meisterwerk, das sie in jeder Stadt immer mit anderen Tanzminiaturen kanadischer Choreografen kombiniert. Egal von wem inspiriert, Louise Lecavaliers Tanzkunst ist an sich ikonografisch und damit unverwechselbar superb.

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Tanz November 2006
Rubrik: Der Kalender, Seite 36
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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