Louise Lecavalier: «‹I› Is Memory»
Louise Lecavalier, die wilde Blonde aus Montréal, tanzte früher horizontale Pirouetten bei La La La Human Steps. Heute steigt sie in ihr Stück «‹I› is Memory» wie in ein Auto. Öffnet die Türen in ein Alter Ego, den Trainingsanzug eines B-Boyz: Die Füße nach außen gekippt, grinst sie. Streckt die Zunge raus, schließt die Augen, genießt sich – ganz langsam. Die Zeit, die durch Louise Lecavaliers Körper rinnt, taktet die Betrachter ein, bis jeder Schritt, jede Grimasse, jeder Fingerzeig erscheint als der Mechanismus einer Uhr.
Ihre Beine graben sich wie ein Anker in den Boden, ihr Körper schwingt wie eine Unruh (die den Anker braucht), was ihr Auftrieb ermöglicht: für einen Headspin in Zeitlupe gegen die Schwerkraft. Als Sekundenzeiger kreist sie um sich selbst. Das Stück hat ihr Benoît Lachambre zu den Schweizer Steps 10 im Mai maßgeschneidert, ein kleines Meisterwerk, das sie in jeder Stadt immer mit anderen Tanzminiaturen kanadischer Choreografen kombiniert. Egal von wem inspiriert, Louise Lecavaliers Tanzkunst ist an sich ikonografisch und damit unverwechselbar superb.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Warum verstümmeln kleine Mädchen ihre Barbie-Puppen? Da sind sie neun, zehn oder elf Jahre jung und enthaupten ihre einstigen Lieblinge. Oder bringen sie in der Mikrowelle zum Schmelzen. Innige Zuneigung verwandelt sich in Grausamkeit, wohl gerade, weil die Mädchen zu spüren beginnen, was die Gesellschaft von ihnen erwartet: dass sie selbst zu Barbie-Puppen werden...
Ballerina and teacher Melissa Hayden – called by Lincoln Kirstein “the nearest thing to a ‘star’ in our starless company” – died this past August of pancreatic cancer at her home in Winston-Salem, North Carolina. She was 83.
Hayden, a native of Canada born as Mildred Herman danced with the (now-disbanded) corps de ballet of Radio City Music Hall, and,...
Philipp Gehmacher ist unter den Choreografen der Fragwürdigste. Keiner befragt Tanz grundsätzlicher. 2004/05 entwickelte der Österreicher Incubator, zugleich auch Titel dieses Buches, zuerst als Performance für vier Tänzer aus puren Gesten. Ihr Ziel: das Zeichen aus dem Tanz zu vertreiben. Zusammen mit Angela Glechner und Peter Stamer gibt es jetzt 107 Seiten...
