london: Wayne McGregor: «Raven Girl»

Eine dumme Geschichte. Da soll ein Briefträger seine Post in einem Felsenspalt deponieren. Und was findet er dort? Eine junge «Räbin», offenbar aus dem Nest herausgefallen. Liebevoller als andere Menschen, vielleicht auch aufgrund seiner Einsamkeit ein Kauz, nimmt er sich des jungen Vogels an. Mit «ungeheuerlichen» Folgen: Ein Kind wird beiden geboren, halb Mensch, halb Tier. Will heißen: ein wunderschönes, schwarzhaariges «Rabenmädchen», das zwar krächzt wie ein richtiger Rabenvogel, aber keine Flügel besitzt.
Doch was nicht ist, kann ja noch werden.

Wozu hat sich der Hauschoreograf des Royal Ballet, Wayne McGregor, so nachhaltig mit Hirnforschung und anderen Biowissenschaften beschäftigt? In einer Anatomiestunde auf der Uni trifft das «Raven Girl» auf einen Chirurgen, und der verspricht, ihr Problem zu lösen. Während es draußen gewaltig donnert, verpasst ihr Dr. Frankenstein (oder wie der namenlose Chirurg in Wirklichkeit auch immer heißen mag) in einem langwierigen Operationsprozess stählerne Schwingen. Und ab geht die Post. Sich leichtfüßig auf die Spitze erhebend, wird das Rabenmädchen endlich flügge: ein atemberaubender Augenblick, der über so manche choreografische Schwäche ...

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Tanz August/September 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 54
von Hartmut Regitz

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Impressum

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__Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
__Redaktion 
Hartmut Regitz, Arnd Wesemann
Mitarbeit: Dorion Weickmann, Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Knesebeckstraße 59-61, D–10719 Berlin
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crackz

Macht es einer, machen es alle anderen auch. Wenn einer einen coolen Move entdeckt, probiert ihn die ganze Gruppe. Hip-Hop ist – wie alle Szenen – eine Kultur des Kopierens und Klauens, während er doch gleichzeitig den Anspruch erhebt, authentisch und «real» zu sein. Bruno Beltrão, Choreograf aus Brasilien, der bevorzugt die Gepflogenheiten seiner eigenen Szene...