london: Wayne McGregor: «Raven Girl»
Eine dumme Geschichte. Da soll ein Briefträger seine Post in einem Felsenspalt deponieren. Und was findet er dort? Eine junge «Räbin», offenbar aus dem Nest herausgefallen. Liebevoller als andere Menschen, vielleicht auch aufgrund seiner Einsamkeit ein Kauz, nimmt er sich des jungen Vogels an. Mit «ungeheuerlichen» Folgen: Ein Kind wird beiden geboren, halb Mensch, halb Tier. Will heißen: ein wunderschönes, schwarzhaariges «Rabenmädchen», das zwar krächzt wie ein richtiger Rabenvogel, aber keine Flügel besitzt.
Doch was nicht ist, kann ja noch werden.
Wozu hat sich der Hauschoreograf des Royal Ballet, Wayne McGregor, so nachhaltig mit Hirnforschung und anderen Biowissenschaften beschäftigt? In einer Anatomiestunde auf der Uni trifft das «Raven Girl» auf einen Chirurgen, und der verspricht, ihr Problem zu lösen. Während es draußen gewaltig donnert, verpasst ihr Dr. Frankenstein (oder wie der namenlose Chirurg in Wirklichkeit auch immer heißen mag) in einem langwierigen Operationsprozess stählerne Schwingen. Und ab geht die Post. Sich leichtfüßig auf die Spitze erhebend, wird das Rabenmädchen endlich flügge: ein atemberaubender Augenblick, der über so manche choreografische Schwäche ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 54
von Hartmut Regitz
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