Lob der Tanzkritik

Einst populär, heute auf Schrumpfkurs? Geschichte und Gegenwart des Rezensionsgewerbes beleuchtet die neue Schau im Kölner Tanzmuseum. Mit dem Kurator Thomas Thorausch spricht Bettina Trowborst

«Vom Glück des Zeitunglesens» ist ein älterer Artikel überschrieben, daneben liegen das Foto eines Impresarios, der mit seiner Tanzgruppe 1920 eine Kritik studiert, sowie die architektonische Skizze eines Ausstellungsraums. Es sind die Vorboten der Jahresschau 2019, die Thomas Thorausch auf dem Arbeitstisch im Deutschen Tanzarchiv Köln ausgebreitet hat. Der stellvertretende Archivleiter kuratiert die Präsentation, die unter dem Titel «Tanz! Kritik! Von Kritikern, Päpsten und Liebenden» Ende des Monats eröffnet wird.

Allen digitalen Entwicklungen zum Trotz weiß er vom Glück des Zeitungslesens zu erzählen – und voller Begeisterung von den Objekten, die den Besucher erwarten.

Thomas Thorausch, der Ausstellungstitel ist ja schon selbst ein Feuilleton! Er erhöht einen ganzen Berufsstand zur obersten Autorität, dann degradiert er ihn zum Bewunderer. Ist das nicht etwas übertrieben?
Ein Ausstellungstitel soll ja in erster Linie neugierig machen – und irritieren darf er auch schon mal. Es lag also auf der Hand, eine Zuschreibung aufzugreifen, die jeder schon einmal gehört hat: den Kritikerpapst. Aber – und das ist, wenn Sie so wollen, der erste Stolperstein für den Leser respektive ...

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Tanz März 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Bettina Trowborst