Live

«Am Anfang dachten wir, es ist vorübergehend», heißt es in dem Film, der es nicht mehr geschafft hat, rechtzeitig ins Kino zu kommen: «die geschlossenen Schulen, die leeren Supermärkte, die Kontrolle, die Angst, die Konzerte ohne Publikum.»

Kein Hund wagt sich mehr auf die hell erleuchteten Straßen. Verboten sind alle Versammlungen mit über 20 Teilnehmern.

Und wenn sich dennoch mehr Menschen in abseits gelegenen Gebäuden oder Gewächshäusern konspirativ zusammenfinden, um endlich wieder einmal Musik leibhaftig zu erleben – live! –, werden sie gnadenlos niedergeknüppelt. Der Terror von Staats wegen kennt kein Erbarmen. Immer wieder gibt es Tote. Wer das Glück gehabt hat, schwer verletzt davonzukommen, läuft Gefahr, am Unwiederbringlichen zu verzweifeln.

Vor vier Jahren hat Lisa Charlotte Friederich das Drehbuch zu ihrem Debütfilm geschrieben, inspiriert durch die Ereignisse vom 13. November 2015, bei dem knapp hundert Konzertbesucher im Pariser Bataclan einem islamistischen Anschlag zum Opfer fielen. Lisa Charlotte Friederich hat damals die gegenwärtige Pandemie nicht einmal im Ansatz ahnen können, und dennoch zeigt sie in «Live» nicht nur den Lockdown, sondern auch das völlig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2021
Rubrik: warm-up, Seite 1
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
side step 2/21

Hildesheim
Wiederkehr des Tanzes

2007/08 schlossen sich das Theater Hildesheim und die Landesbühnen Hannover zum tfn zusammen, zum theater für niedersachsen – auf Kosten der Tanzsparte. Seit dieser Spielzeit amtiert nun Oliver Graf als Intendant. Er hat angekündigt, dem Tanz wieder einen Platz im Programm einzuräumen.

Oliver Graf, in welcher Form wollen Sie den...

Dandys

Die Demokratische Republik Kongo ist eines jener Länder, die wie von der Geschichte verflucht wirken. Während einer der schlimmsten Episoden des europäischen Kolonialismus bis aufs Blut ausgebeutet, im Kalten Krieg ein Spielball zwischen Ost und West, dann jahrzehntelang unter der nationalistischen Diktatur Mobutu Sese Sekos. Geschichtsdaten: Kongo-Gräuel...

Lucinda Childs «akhnaten»

Ist es möglich, nur per Fernschalte eine Oper sowohl zu inszenieren als auch zu choreografieren? Lucinda Childs hätte an der Opéra Nice Côte d’Azur Philip Glass’ monumentalen «Akhnaten» inszenieren sollen. Sie tat es von New York aus, am Bildschirm – und allein für den Bildschirm. Bisher. Das Experiment geschah auf Vorschlag von Bertrand Rossi, dem neuen...