Ich tanze, also bin ich

Eine Handvoll Abenteuer: In einer fünfteiligen Dokuserie geht Netflix auf Tuchfühlung mit der Gegenwartschoreografie – vorwiegend männlicher Provenienz.

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Weiße Turnschuhe schnurren über ein Autodach, samtweich wie Katzenpfoten und angriffslustig nach Art eines Dschungeltigers. Ringsum ducken sich Vorstadthäuser in akkurat getrimmte Rasenflächen. Gleichwohl ist der Reichtum hier nicht zu Hause. Das verrät ein Kameraschwenk über farbrissige Fassaden und verschlissene Fenster. Der Mann auf dem Autodach ist ganz in der Nähe groß geworden, in den Ausläufern von Memphis, Tennessee. Dort hat er tanzen gelernt und darüber bald alles andere vergessen.

«Street Dance», sagt er, «kommt aus dem Ghetto und ist eine Kunst, die aus dem Nichts entsteht. Oder besser noch: aus dem Schmerz.» Davon gab es mehr als genug in seiner Kindheit.

Ein gewalttätiger Vater, Rassismus und Brutalität gehören zum Alltag. Irgendwann zieht die Mutter acht Kinder alleine groß. Der Zweitgeborene ist ein Sturkopf, bohrt sich Spin um Spin in die Bewegungsmatrix des Jookin hinein, eine der zahllosen Break-Varianten, eher smooth und robot-artistisch getönt als auf Attacke gebürstet. Seine Begabung fällt in Profikreisen auf, er bekommt ein Stipendium und zwei Jahre Ballettunterricht: «einzige Bedingung: ohne Strumpfhosen», erinnert sich die Ex-Lehrerin. Schließlich kommt er ...

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Tanz Februar 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann

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