Ligia Lewis «Minor Matter»
Ligia Lewis schürft ihre «minor matter» aus einer Art Höhlenwelt. Komplette Düsternis zu Beginn, man starrt in dieses Nichts, dann meldet sich eine Stimme aus dem vernebelten Irgendwo. Direkte Ansprache tropft dem Publikum verführerisch ins Ohr: «I will like to turn you inside-out and step into your skin / To be, that sober shadow in the mirror of indifference». Die Stimme gibt sich mal warm, mal kalt, tönt wie aus dem Untergrund der Geschichte und wiederholt – «you shift, you shift».
Dieses Verschieben, Verrutschen wendet die Performance auf sich selber an, als wolle sie etwas spiegeln, das sie in den Gedanken des Zuschauers liest.
Dann erwachen drei bunt gekleidete, dunkelhäutige Performer – zwei Männer, eine Frau – zunächst wie Puppen zum Leben. Sie blättern einen munteren Katalog von Sportlergesten und ruppigem Unterhaltungstanz-Vokabular auf: Kicks, Steppschritte, Hüftwackeln samt Sexandeutungen. Sie werden grell, also über-sichtbar, klettern aneinander und an den Wänden der Bühne hoch, was rührend wirkt. Denn entkommen können diese rockenden und rollenden Figuren dem Setting nicht. «minor matter» will ein Meta-Kunstwerk sein, will Repräsentation repräsentieren. Will ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2018
Rubrik: Tanzplattform, Seite 14
von Melanie Suchy
Es gibt Intendanten in allen Varianten. Allen gemein ist: Sie sind die letzten Feudalherren – und so regieren sie auch. Nicht alle. Wir wollen gerecht sein. Aber doch die meisten. Genau die wünschen wir in den Orkus. Denn sie lieben es, den Künstler zu demütigen, die Tänzerin zum Weinen zu bringen, sie herabzuwürdigen, süffisant und verächtlich. Wir dürfen...
Weihnachten 2017. Im Berliner Ensemble steht eine Krippe und viel Tannenbaum, ein Wald, in dem die Wichtel wohnen. Sie werden dargestellt vom Ensemble Dance On, einer ausgewachsenen Truppe, die, erst 2015 gegründet, schon jetzt ihre Werkschau zeigt. Aber nicht hier auf der altehrwürdigen Berliner Sprechbühne, wo die Auftragsarbeit des aktuellen Hype-Regisseurs...
An Marius Petipa kommt man nicht vorbei. Er ist eine der zentralen Figuren der Ballettgeschichte. Dafür spricht allein schon die Tatsache, dass der Begriff «Ballett» häufig als Synonym für eine seiner Kreationen verwendet wird. Wer «Ballett» sagt, meint nicht selten «Schwanensee», «Paquita» oder «La Bayadère».
Beeindruckend ist auch Petipas bewegte Biografie. 92...
