Artenvielfalt

Tanz - Logo

Es gibt Intendanten in allen Varianten. Allen gemein ist: Sie sind die letzten Feudalherren – und so regieren sie auch. Nicht alle. Wir wollen gerecht sein. Aber doch die meisten. Genau die wünschen wir in den Orkus. Denn sie lieben es, den Künstler zu demütigen, die Tänzerin zum Weinen zu bringen, sie herabzuwürdigen, süffisant und verächtlich. Wir dürfen öffentlich nicht darüber reden. Dafür sorgen Verschwiegenheitsklauseln in den Verträgen.

So werden die Granden geschützt – und wir leiden weiter, manche bis zum Burn-Out, unter den Eitlen, Machtgeilen, Herablassenden, Abgebrühten, Sadisten und Verlogenen, die sich gern das Mäntelchen des Pragmatikers umhängen und auf der Bühne am liebsten die hehren Themen verhandeln: Zivilcourage, Widerstand gegen die Mächtigen und die Ungerechtigkeiten der Welt! Aber im eigenen Haus wird munter intrigiert, wird niedergemacht und (vorzugsweise im Fall von Frauen) diskriminiert, bis hin zum sexistischen An- oder Übergriff. Nur wenige der hohen Herrschaften bewahren trotz feudaler Machtakkumulation menschliche Züge, haben ein echtes Interesse an künstlerischer Auseinandersetzung, an Menschen und den ästhetischen Standards einer Sparte, die nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Freya Pauls (Name geändert)

Weitere Beiträge
St. Gallen: «Schlafes Bruder»

«Am 9. September des Jahres 1825 verschied Johannes Elias Alder, unehelicher Sohn des Kuraten Elias Benzer und der Agathe Alder, genannt Seffin.» Der Tänzer Lorian Mader liegt als toter Johannes Elias Alder auf dem «wasserverschliffenen Stein». Gestorben ist er an Schlafentzug, begraben unter Blättern mit Noten, die das verhinderte Musikgenie nie zu lesen gelernt...

Saarbrücken, München: «bohner_celis»

«Ein großer Augenblick des Theaters» lautete 1971 das Fazit von Klaus Geitel – «nicht allein des Balletts». «Was ist geschehen? Was geschieht überhaupt?», das fragt nicht nur er sich zu Anfang einer Kritik, die seinerzeit noch dreispaltig in der Tageszeitung «Die Welt» hat erscheinen können. Seine Antwort: «Eine Phantasmagorie des Grauens, der Verfolgung, der Qual,...

Der Ballettarchitekt

An Marius Petipa kommt man nicht vorbei. Er ist eine der zentralen Figuren der Ballettgeschichte. Dafür spricht allein schon die Tatsache, dass der Begriff «Ballett» häufig als Synonym für eine seiner Kreationen verwendet wird. Wer «Ballett» sagt, meint nicht selten «Schwanensee», «Paquita» oder «La Bayadère».

Beeindruckend ist auch Petipas bewegte Biografie. 92...