Lifetime Achievement: John Neumeier
Eine Frau eilt treppab durchs Parkett, hinunter zur ersten Reihe der Hamburger Staatsoper. Draußen im Foyer tröstet sich das Publikum noch mit Sekt und Kanapees. Drinnen bleibt die rechte Proszeniumstüre fest verschlossen. Denn der Mann, der einundfünfzig Jahre lang als allerletzter und unmittelbar, bevor der Vorhang für die jeweilige Aufführung hochging, hereingehuscht kam – er bezieht heute hinter den Kulissen Stellung. Auf der Bühne.
Seine Freunde, Mitarbeiter*innen und Mitstreiter*innen, der Fotograf, die Leiterin der Schule – wer öfter da war, kennt sie alle.
Beobachtet ein wenig wehmütig die Umarmungen an diesem Abend, hanseatisch gediegene Begrüßungszeremonien. Es ist, man weiß es, das letzte Mal. Ein Abschied. Und so zückt die Frau in Reihe 1 nun endlich ihr Handy und hält auf den Platz rechts außen. Seitlich, von vorne, von halb hinten. Ein einsamer roter Theatersessel, der über ein halbes Jahrhundert lang bei jedem Auftritt des Hamburg Ballett dem Mann gehörte, der sein Intendant und Chefchoreograf und Namensgeber war. Sein Kreativmotor, sein Leitstern: John Neumeier.
«Lifetime Achievement Awards» gehen gemeinhin an Persönlichkeiten, die ein imposantes Lebenswerk ohne ...
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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: The winners are, Seite 124
von Dorion Weickmann
Sie beide sind ein gutes Beispiel dafür, wie man sich in der Ballettwelt, im Beruf, ein machtfreies Inselchen schaffen kann: Seit dieser Saison sind Sie Mitglieder des neu sortierten Berliner Staatsballetts, kein Paar – sondern allerbeste Freunde. Wie muss man sich überhaupt die Zusammenarbeit innerhalb einer Ballettkompanie vorstellen?
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Auf Kampnagel in Hamburg hat er eine Art zweites Zuhause auf Zeit gefunden: Der Choreograf Sina Saberi, aufgewachsen in Iran, engagiert sich für Zeitgenössischen Tanz, der in seiner Heimat buchstäblich ein Schattendasein führt – politisch nicht wohlgelitten. Saberis Arbeiten wurden auf internationalen Festivals von Beirut über Hellerau bis Paris gezeigt. Sein...
