Hoheitsgebiet
«Machen = Machtlos» heißt die letzte Choreografie, die Gerhard Bohner am Staatstheater Darmstadt realisiert hat. Bohner hatte sich geweigert, vor dem Ende seiner Zeit als Leiter des Tanztheaters ein weiteres Stück herauszubringen. Was zu einer fristlosen Kündigung führte – mit der Aussicht auf Rücknahme, wenn er innerhalb von vier Wochen ein neues Stück machen würde. Er machte eines, ohne einen einzigen neuen Schritt. Und verteilte am Ende ein Flugblatt, auf dem stand, wie es zu dem Stück gekommen war. Daraufhin erhielt Bohner Hausverbot.
Das war 1975, als der Tanz an den städtischen und staatlichen Theatern in Westdeutschland neue Modelle von Mitbestimmung, künstlerischer Forschung und radikaler Ästhetik versuchte. Der Titel der Produktion reflektierte zugleich die Rahmenbedingungen des zeitgenössischen Tanzes in den Theaterstrukturen, die sich bis heute nicht wirklich verändert haben: Tanz markiert das untere Ende der Hierarchien von Opern-, Orchester- und Theater-Betrieb. Die wenigen Ausnahmen, etwa John Neumeiers Hamburg Ballett, wurden über Jahrzehnte durch das Lebenswerk von Choreografen und Choreografinnen behauptet.
Zeitgenössischer Tanz in den letzten fünfzig Jahren war ...
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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 66
von Johannes Odenthal
Sie beide sind ein gutes Beispiel dafür, wie man sich in der Ballettwelt, im Beruf, ein machtfreies Inselchen schaffen kann: Seit dieser Saison sind Sie Mitglieder des neu sortierten Berliner Staatsballetts, kein Paar – sondern allerbeste Freunde. Wie muss man sich überhaupt die Zusammenarbeit innerhalb einer Ballettkompanie vorstellen?
Chloe Capulong: Das...
Auf Kampnagel in Hamburg hat er eine Art zweites Zuhause auf Zeit gefunden: Der Choreograf Sina Saberi, aufgewachsen in Iran, engagiert sich für Zeitgenössischen Tanz, der in seiner Heimat buchstäblich ein Schattendasein führt – politisch nicht wohlgelitten. Saberis Arbeiten wurden auf internationalen Festivals von Beirut über Hellerau bis Paris gezeigt. Sein...
Kürzungen allenthalben, bis hin zur Opéra in Paris. Aber Protestwellen, gar Streiks? Nicht in Sicht
Lange hatte man in Paris geglaubt, das Schlimmste dieses olympischen Kultursommers sei die Anbiederung nahezu sämtlicher Theater an das überbordende Narrativ der athletischen Glückseligkeit. Nebenbei hatte man sich auf wirre Debatten über Sinn oder Unsinn, Nutzen...
