Tanzzeitschriften
Die ideale Leserin, der ideale Leser kommt herum in der Welt, spielt sicher auf der Klaviatur sozialen Verhaltens und hat einen Hang zum Mondänen. Das jedenfalls suggerierte die Zeitschrift «Der Tanz», die in ihrer ersten Ausgabe mit der Aufforderung für sich wirbt: «Verlangen Sie überall, in Klubs, Cafés, Hotels und Lesezimmern, die Monatsschrift ‹Der Tanz›». Die Selbstanzeige stand zwischen Werbung für einen Modesalon und für «Wohnkultureigenheimbau».
Der ideale Leser von «Der Tanz» war im Oktober 1927 modisch «up to date», ein eifriger Klubgänger, der wissen wollte, wo die besten Bands spielten und der heißeste Charleston getanzt wurde. Die Redaktion empfahl die besten Schallplatten, in den Anzeigen konkurrierten neueste Grammofone.
Der ideale Leser von «Der Tanz» interessierte sich gleichermaßen für «Toiletten zum Tanz» wie für eine Fotostrecke über Revue. Er vertiefte sich in einen seitenlangen Artikel über die «Entwicklungsphasen des modernen Tanzes», geschrieben von Max Terpis, der, obwohl Ballettmeister der Berliner Staatsoper, wusste, wovon er schrieb: Er hatte bei Rudolf von Labans Assistentin Suzanne Perrottet und bei Mary Wigman studiert, dann mit Harald Kreutzberg und ...
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Editorials sind verräterisch, gerade wenn sie in die erste Nummer einer neuen Zeitschrift einführen. Wer Zeitschriften gründet, so zeigt es sich bei einer Rückschau auf die Tanzzeitschriften der Vergangenheit (siehe S. 52), reagiert oft programmatisch auf das, was gerade fehlt, auf einen als akut empfundenen Mangel an Wissen, Diskussion, kritischer Beschreibung...
Tanz auf dem Vulkan heißt die Dokumentation über die französische Ausnahmetänzerin Sylvie Guillem. Explosiv, zäh, unberechenbar sei sie, wie ein Lavaberg. Könnte man wenigstens denken. In Wahrheit ist Sylvie Guillem deshalb ein Star, weil sie sich was traut. Drei Jahre lang hat die Filmemacherin Françoise Ha Van Sylvie Guillem beobachtet, drei Jahre lang sah sie...
Mit flügelartig ausgebreiteten Armen springen die Tänzer hoch ins Licht. Geblendete Falter, gefangene Freiheitssucher, eingeschnürt in gefältelte Korsette wie fahle Zwangsjacken. Itzik Galili erzählt als Gastchoreograf des Balletts Kiel seine «Different Stories» vornehmlich im Dunkeln. Weiße Scheinwerferstrahlen von schräg oben oder von der Seite, ausgeklügelt...
