Lia Rodrigues «Encantado»
In ihrem viel beachteten Stück «Furia» brachte die brasilianische Choreografin ihre Wut über die Regierung von Jair Bolsonaro zum Ausdruck. Ihre Neukreation «Encantado», entstanden während der Corona-Pandemie, ist erstaunlicherweise ein sehr heiteres Stück geworden. Lia Rodrigues hat sich von den indigenen Kulturen Brasiliens inspirieren lassen: «Encantados» sind beseelte Wesen, die sich zwischen Erde und Himmel, Dünen und Felsen bewegen und diese in heilige Orte verwandeln. Aus den Naturmythen wird bei Rodrigues ein Spiel der Verwandlungen.
Aus farbenfrohen Tüchern, wie man sie auf lokalen Märkten in Brasilien findet, entsteht hier ein Patchworkteppich. Es handelt sich um Billigware – «Encantado» zeigt eine Spielart der arte povera. Die elf Tänzer*innen sind nackt, wenn sie nacheinander unter die Decken schlüpfen. Eine Frau gleitet mit raupenartigen Bewegungen unter ein Tuch mit Animal Print, bis Kopf und Oberkörper bedeckt sind – und verschwindet dann ganz unter dem Stoff. Die Verhüllung regt die Fantasie an. Vor den Augen des Publikums transformieren die Perfomer*innen sich in Chimären, Mischwesen aus Mensch, Tier oder Pflanze. Zunächst bewegen sie sich wie in Trance, doch bald ...
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Tanz 7 2022
Rubrik: Kalender, Seite 45
von Sandra Luzina
Bundesjugendballett
DIE UNSICHTBAREN
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