Lebenskünstler

Vor zehn Jahren tauchte der Choreograf Eyal Dadon erstmals in Deutschland auf. Seitdem gastiert er hier regelmäßig. In Kassel hat er gerade «Shuv» inszeniert, kurz vor der Premiere beobachtet von Dorion Weickmann

Tanz - Logo

Vom siebten Stock des Staatstheaters Kassel aus erschließt sich die DNA der Stadt: Im Osten räkelt sich die prachtvolle Orangerie in der Wintersonne, ringsum leuchtet satter Rasen, während durch die Südfenster ein Regentief in den Ballettsaal hineinblinzelt. Der neblige Grauschleier lässt die Nachkriegsarchitektur rund ums Fridericianum so trist wie einfallslos wirken, was die Tänzer*innen im Studio freilich nicht anficht. Sie haben sowieso keine Zeit fürs Hinausschauen, sind vollauf miteinander beschäftigt.

Die Füße ankern in einer zweiten Position, die gebeugten Beine seitwärts abgespreizt, während das Becken in Hochfrequenz vibriert. «Connect, feel the connection», ruft jemand in den Raum. Tomatenroter Hoodie, graue Hose, glattpolierter Kopf über Vollbart und Augen, so dunkel wie Tollkirschen – so sitzt Eyal Dadon neben einem Stillleben aus Klavier, Notenständer und Turnmatte. Sein Laptop firmiert als Sound Machine, taktet die nagelneue Choreografie auf dem Weg zur Premiere: Noch vier Tage, dann geht das Dreiviertelstunden-Stück «Shuv» als Tandem mit Andonis Foniadakis’ «Der Tod und das Mädchen» über die Bühne des Hauses. Es ist die erste Kreation, die der israelische Choreograf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2025
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Runde Sache

Pressekonferenz des Staatsballetts in der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Es ist Frühjahr 2024, draußen scheint die Sonne, drinnen sitzt Staatsballett-Intendant Christian Spuck und macht ein sorgenvolles Gesicht. Dabei jagt, seit er vor einem dreiviertel Jahr sein Amt angetreten hat, eine Erfolgsmeldung die nächste. Jede Premiere der Spielzeit wurde von...

Impressum tanz 3/25

tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH

Redaktion Sofie Goblirsch, Johanna Rau, Falk Schreiber, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung), Tel. +49-30-254495-20, Fax -12
redaktion@tanz-zeitschrift.de www.tanz-zeitschrift.de

Bildredaktion Marina Dafova, Sofie Goblirsch

Art direction Marina Dafova

An...

Buch, CD, Film tanz 3/25

Stream
FRANÇOIS CHAIGNAUD
Dem französischen Choreografen François Chaignaud ist nichts Menschliches fremd. Auf der Tanzbühne hat er bereits mit Glasdildos in situ hantiert. Diesmal lässt er seine Tänzer – mal schräg, mal sexy trikotverhüllt und die Haare unter eng anliegenden Kappen verborgen – mit Bällen, aufgeblasenen Plastikpälmchen und einem Luft furzenden...