Foto: Guido Mencari
Le Havre - On Tour
Klare Ansage von Romeo Castellucci zur Uraufführung in Antwerpen: «‹Democracy in America› ist kein politisches Stück», hat der Theatermacher da in einer Programm-Notiz geschrieben. Aber unpolitisch? Ist es erst recht nicht! Castelluccis Ausgangspunkt war der zweibändige Essay «De la démocratie en Amérique» von Alexis de Tocqueville: eine politologische Feldstudie über die Geburt des Verfassungsstaats USA und eine damals, in den 1830er-Jahren, brandneue Konzeption von Demokratie – zwischen hohen Idealen und einer weit weniger glanzvollen Wirklichkeit.
Von einer Literatur-Bearbeitung sind wir trotzdem weit entfernt, niemand muss befürchten, mit didaktischen Diskursen behelligt zu werden. Eher lässt Castellucci, der Philosoph des choreografischen Bildertheaters, den Zuschauer in seinen eigenen Zweifeln wühlen.
Dazu platziert er die Tänzerinnen (einer insgesamt ausnahmslos weiblichen Besetzung) wiederholt hinter transparenten Folien, sodass sie zu Schemen verfließen. Einmal mehr stellt er außerdem die Sprache als Instrument der Verständigung infrage. Da hüpft ein Bataillon von Majoretten in weißen Paradeuniformen, gerade so als tanzten sie koreanischen Samulnori. Sie schwenken große, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Warum wollen Kinder Ballettstars werden? Wollen sie es überhaupt? Sind es nicht vielmehr die Erwartungen der Eltern, die sie in den Mahlstrom der Institution werfen, die sowohl Kinderseelen als auch adoleszente Körper einer gnadenlosen Auslese unterwirft? Der Soziologe Joël Laillier, der an der Universität Toulouse III – Paul Sabatier forscht, will mit seiner...
Der Dachverband Tanz Deutschland (DTD) beheimatet zwei neue Initiativen. Zum einen ist das Ensemblenetzwerk Network Dance gestartet, ein Zusammenschluss der Kompaniesprecher auf nationaler Ebene. Damit soll die Lage der Tanzprofis im Theaterbetrieb verbessert werden. Das informative Protokoll der ersten Konferenz lässt sich auf www.networkdance.de nachlesen, das...
Es geht auch anders. Statt eine Sparte einzusparen, eine aufzubauen. 2011 übernahm Holger Schultze am Theater Heidelberg die Intendanz und fand auf dem Tanzsektor eine Situation vor, die weder den Kooperationspartner Freiburg befriedigte noch die Zuschauer. Er sann auf Abhilfe. Nanine Linning hatte schon unter seiner Intendanz in Osnabrück das Publikum gehörig...
