#3 Moritz Ostruschnjak «Unstern»
«Unstern», so nannte der in München lebende Choreograf Moritz Ostruschnjak sein viertes Stück, das im November 2018 im Münchner Schwere Reiter uraufgeführt wurde. Der Titel ergab sich aus der persönlichen Misere des freischaffenden Bühnenkünstlers: Nur wenige Tage vor der Premiere musste er ad hoc zwei Tänzer ersetzen. Der Titel «Unstern» aber umreißt vor allem in seiner richtungsweisenden Ungenauigkeit den Inhalt dieses atemlosen, auch physisch bedrängenden Klang-, Bild- und Bewegungs-Puzzles um Krieg, Gewalt und Zerstörung.
Folgt man Ostruschnjak, stehen die Menschen allesamt unter einem «Unstern». Aber er verrennt sich nicht. Er verfolgt eine Spur, die sich vor allem in der wilden Bilderjagd von Hintergrundprojektionen konkretisiert. Klanglich werden diese hochgepeitscht von wummerndem Techno-Sound, aber auch orchestral umspült von Musik des Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau oder der romantisch schwelgenden «Venus» aus Gustav Holsts Orchestersuite «Die Planeten». Bilder vom Untergang der Maja und von antiken Schlachten gehen Momentaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg voran. Letzteren betrachtet Ostruschnjak als Katastrophenauslöser des 20. Jahrhunderts. Atompilze entfalten ...
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Tanz März 2020
Rubrik: Tanzplattform, Seite 16
von Eva-Elisabeth Fischer
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