Kolumbianischer Deal

Nicolas Stemann: «Una muestra» in Hamburg

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Frontal-Angriff der jugendlichen Performer. Die 16 Tänzer aus Kolumbien drängen den Regisseur Nicolas Stemann von der Bühne weg, erobern sich skrupellos die Rampe. Seine Erklärungen zum Probenzustand der Aufführung gehen unter in der wütenden Beschimpfung des Pub­likums. Die Europäer seien die größten Drogenabnehmer, trügen die Schuld an der kolumbianischen Misere. Drohend starren die Spieler den Zuschauern in die Augen – und wenden sich ab.

Ein Schreihals kehrt plötzlich um, rückt vertraulich zwinkernd der ersten Reihe auf den Pelz, offeriert mit serviler Verschlagenheit des Dealers: «Braucht ihr was?»
Was wie plumper Agit-Prop in der mit Elektroplatten und kochendem Wasser künstlich aufgeheizten schweißtreibenden Tropenatmosphäre der kleinsten  Kampnagelhalle in Hamburg beginnt, entwickelt sich Szene für Szene zur subtilen, packenden Tanz-Theater-Collage, die jede weitere Dokumentation über das la­teinamerikanische Drogenmekka erledigt. In «Una muestra» – beim Laokoon-Festival in europäischer Erstaufführung bedauerlicherweise nur ein einziges Mal präsentiert – erklärt Stemann die «Arbeitsprobe» zum inszenatorisch gültigen Prinzip. Für ihn selbst: Denn er arbeitete zum ersten Mal ...

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Tanz Oktober 2005
Rubrik: On Stage, Seite 44
von Klaus Witzeling

Vergriffen
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