Körperlichtspiele

München würdigt den Fotografen Erwin Olaf

Erwin Olaf Springveld, genannt Erwin Olaf, macht einen zum Voyeur. Man ist eingeladen, an den beiden Enden eines ovalen Art-Deco-Holzbaus Platz zu nehmen, um durch ein Schlüsselloch per Video eine Frau beziehungsweise einen Mann in einem Schlafzimmer zu beobachten. Hinzu kommt kurzzeitig jeweils derselbe kleine Junge in Unterwäsche, der dann intensiv gestreichelt wird. Zärtlichkeit oder Übergriffigkeit? Das bewegt einen als beklemmende Frage.

In Deutschland hat man lange gebraucht, um dem Werk des längst international gefeierten Fotokünstlers Erwin Olaf eine Retrospektive zu widmen. «The Keyhole» (2011/12) ist eine der eindrücklichsten Stationen der Schau in der Kunsthalle München, in der sich Erwin Olafs nicht selten ambivalente Arbeiten studieren lassen: Fotografien, Videos und Installationen aus 40 Jahren.

Den menschlichen Körper demonstriert Olaf als geil schimmerndes Lustinstrument, lichtet triumphierend das Sperma auf der eigenen, noch jugendlichen Wange als Trophäe ab. Menschliche Körper sind aber auch ein Politikum wie zum Beispiel bei den «Chessmen» (1987/88). Da agieren die Figuren, in der Überzahl sehr dicke Frauen, in einem als kriegerisch begriffenen Schachspiel und ...

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Tanz Juli 2021
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Eva-Elisabeth Fischer

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