Kiel
Die Verwandlung geschieht etwas arg plötzlich. Eben noch bastelt der Puppenmacher Coppélius an einem Gliederrohling, schon kommt das fertige Ballerinenmädchen auf einem Tisch aus den Kulissen gefahren und klappert mit den Augen. Erste steife Verrenkungen bedürfen noch manueller Unterstützung. Dann aber entfaltet das Maschinenwesen ein recht forsches Eigenleben und fasst seinem verschreckten Schöpfer beim ersten Walzerversuch an den Hintern.
Das ist witzig und kurbelt das Geschehen an.
Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass Yaroslav Ivanenko in seiner «Coppélia»-Inszenierung am Opernhaus Kiel den entscheidenden magischen Erweckungsmoment verschenkt. Der Ballettdirektor erzählt seine eigene Geschichte. Weder der düster romantischen «Sandmann»-Erzählung von E. T. A. Hoffmann noch der Verwechslungsgeschichte des Ballettlibrettos von Arthur Saint-Léon und Charles Nuitter will er folgen. Auch wenn sich Saya Komine zauberhaft auf einen puppenartigen Ausdruck versteht, ihre Coppélia ist hier nicht mehr das in Bann ziehende Automatenwesen. Sie selbst treibt aktiv die Handlung voran. Einen Napoleon-Hut keck auf den Kopf gesetzt, befehligt sie mit kantiger Geste eine ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Irmela Kästner
Nord-London, Samstagabend. Ich sitze im Café des TripSpace, ein neuer Ort für zeitgenössische Choreografie und somatische Praxis. Über mir rumpelt die S-Bahn, an der Bar gibt es neben dem obligatorischen Latte und gesund klingenden Teesorten natürlich vegane Snacks. Heute wird die Location für ein paar Stunden von Jonathan Burrows, Matteo Fargion und ihren...
Die meisten Leute lernen die Choreografien von Michael Jackson wahrscheinlich durch Abschauen bei YouTube. Und deshalb seitenverkehrt, also falsch herum. Den wenigsten fällt das auf. Christine Joy Alpuerto Ritter ist es aufgefallen. Auch sie hat Jacksons Moves als Kind von Clips gelernt. Und – das nur nebenbei – natürlich geweint, als er starb. Was Zuneigung...
Prix de Lausanne
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