katja wünsche
Bei der Audition, durch die das Stuttgarter Ballett und Katja Wünsche im Januar 1999 zusammenkamen, trug sie die Nummer 27. Heute ist die Tänzerin die prägende Künstlerin der Kompanie und das Gesicht, das sich mit Christian Spucks neuem Ballett «Das Fräulein von S.» besonders einprägt. Überall prangt eine unnahbare Geheimnisträgerin auf Plakatsäulen. Vor tiefem Nachtblau werben ihr hypnotisierender Blick und die Blutspuren, die unter einem Collier hervor über makellose Haut rinnen, effektvoll für den Ballettkrimi des scheidenden Stuttgarter Hauschoreografen.
Das Motiv steht auch für den Abschied der Tänzerin aus Stuttgart. Die Rolle der Madelon, Tochter des mordenden Goldschmieds aus E. T. A. Hoffmanns Erzählung «Das Fräulein von Scuderi», ist einer der letzten großen Auftritte von Katja Wünsche nach 13 Jahren (siehe Seite 46). Die Entscheidung der Ersten Solistin, Spuck nach Zürich zu folgen, wo er zu Beginn der nächsten Spielzeit die Nachfolge von Heinz Spoerli antreten wird, ist konsequent. Beide verbindet eine intensive Zusammenarbeit. «Er hat mich schon in meinem ersten Jahr in Stuttgart in seine Arbeit einbezogen», sagt Katja Wünsche.
Komplexität und Risikobereitschaft
Das ...
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Tanz März 2012
Rubrik: menschen, Seite 18
von Andrea Kachelrieß
Tanzen ist eine universelle Ausdrucksform in allen Kulturen. Das Tanzen geht weit zurück bis zum Ursprung von Homo sapiens und noch darüber hinaus. Noch bei Menschenaffen lassen sich tanzähnliche Bewegungen beobachten. Tanzen ist älter, als die Fähigkeit zu sprechen. Beide Fähigkeiten aber haben sich – so meine These – nicht unabhängig voneinander entwickelt....
Der Titel erinnert an «Meinwärts» ihres Kollegen Raimund Hoghe, an sein erstes Solo von 1994. Selbstbefreiung war’s bei ihm. Bei Susanne Linke heißt «Meinstream»: Widerstand gegen den Mainstream. So sah sie das Tanztheater schon immer, auch als es in der Mitte des Einverständnisses angekommen war. Heute ist Susanne Linke Mitglied der Akademie der Künste. Ihr Werk,...
...findet reißenden Absatz, es ziert die Werbung und wird von Doris Dörrie verfilmt. Also darf man dem Glück getrost misstrauen. Die Tanzregisseurin Helena Waldmann treibt das Glück direkt in den Bühnentod (Seite 22), die Choreografin Stephanie Thiersch (Seite 14) sagt: «Glück wird medial total überhöht, ständig reflektiert, so dass es etwas Dogmatisches bekommt,...
