karlsruhe: tim plegge «momo»

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Ein Ballett kann gestohlene Zeit sein. Aber kann es von gestohlener Zeit erzählen? Michael Endes Jugendbuchklassiker vom wuschelköpfigen Mädchen Momo und den Zeit-Dieben behält in Karlsruhe auch als getanzte Adaption den märchenhaften Niedlichkeitsfaktor, trotz eines zurückhaltenden, fast abstrakten Bühnenbilds von Sebastian Hannak. Die philosophische Dimension aber geht der Parabel über Karrierismus und moderne Zeitnot fast verloren.

Der Berliner Tim Plegge, der für Birgit Keils Kompanie sein erstes Handlungsballett choreografiert, erzählt verständlich und gibt seinen Figuren klare Konturen, wenngleich die Charaktere lange nicht so frech und verschroben wirken wie im Buch. Der Straßenkehrer Beppo wandelt sich in Person des jungen, melancholischen Flavio Salamanka gar vom väterlichen zum zärtlichen Freund der resoluten Momo (Blythe Newman). Dramaturgisch trägt es nicht unbedingt zur Spannung bei, dass beide Akte denselben Vorgang schildern: Momo geht von den Menschen zum Ursprung der Zeit, wo ein idealisiertes Paar neoklassische Pas de deux tanzt, und kehrt dann gestärkt zurück.

Das prägende Bild des Abends sind die Grauen Herren. Die bedrohliche Matrix der Zeiträuber hetzt als ...

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Tanz Juni 2012
Rubrik: kalender, Seite 46
von Angela Reinhardt

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