Kaleidoskope

Jasmine Morands hypnotische Körperinstallationen

Tanz - Logo

Zuschauertribüne? Ein Relikt aus der Steinzeit des Theaters. Mit den Räumen verwandeln sich die Perspektiven des Zuschauers. Also raus aus der Komfortzone, rein in die voyeuristische Position: Vorbei geht es an verdeckten Stuhlreihen und auf Socken oder barfuß, sich langsam vorantastend, auf die Bühne im tanzhaus nrw. Dort liegen sternförmig angeordnete, dünne Matten bereit. Rücklings also, gebettet um die Akteur*innen der choreografischen Installation, erlebt das Publikum Jasmine Morands einzigartige Spiegelkunst «Mire» (deutsch etwa: Spiegelbild).

Wir sind mittendrin und Teil des Ereignisses.

Oben, am Bühnenhimmel, schwebt ein riesiger Spiegel. Er zeigt ein Zwölfeck und darin die Reflexion menschlicher Kometen, sechs Tänzerinnen und sechs Tänzer, wie Gott sie schuf. (Vermutlich ob der Nacktheit wird die Performance erst ab 16 Jahren empfohlen.) Diese faszinierenden Körper-Ornamente formen ein Kaleidoskop: In perfekt synchroner Geometrie entstehen und vergehen Bilder, die mal an sich öffnende und schließende Blüten erinnern, dann wieder an menschliche oder tierische Wesen auf der Suche nach Nähe. Auf der Seite gekrümmt liegend, ähneln die Kunstfiguren Embryos. Wenn sie sich in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 12 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Bettina Trouwborst

Weitere Beiträge
Höher, schneller, weiter

Eine üppige Oberweite über eng geschnürter Taille, darunter das bauschig-weite Tutu: Wie Sanduhren sehen die Ballerinen des späten 19. Jahrhunderts auf den Fotos ihrer Sankt Petersburger Uraufführungen aus, wesentlich fraulicher als heute. Auch die Waden von Pierina Legnani, Olga Preobraschenskaja, Virginia Zucchi oder Matilda Kschessinskaja sind deutlich kräftiger...

Side-Step 12/22

Newcomer
HOUSTON THOMAS
Ein Nachname wie ein Vorname, und ein Vorname wie eine Stadt: Houston Thomas (27) aus Chicago, Halbsolist am Semperoper Ballett, zelebriert einen urbanen Tanz, der nicht von der Straße, sondern aus dem Ballett kommt. «Follow the White Rabbit» ist sein erstes Werk, das vor mehr als fünfzig Leuten aufgeführt wurde, sagt er. Und damit gewann er...

Reisefieber

«Nutcracker?! Are you nuts?» Ob er verrückt sei, hätten ihn manche der moderner orientierten Kollegen gefragt, erzählt Edward Clug. Ende November hatte seine erste Klassikeradaption beim Stuttgarter Ballett Premiere, wo die Karriere des rumänischen Choreografen vor 13 Jahren so richtig Fahrt aufnahm. Stetig und fast ein wenig heimlich hat sich sein Ruf verbreitet,...