Höher, schneller, weiter

Von der Sanduhrfigur zur hyperflexiblen Athletik: Die Körper von Tänzerinnen und Tänzern haben sich in der Geschichte des Balletts stark verändert. Aber darf an immer alles zeigen, was so ein Körper kann?

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Eine üppige Oberweite über eng geschnürter Taille, darunter das bauschig-weite Tutu: Wie Sanduhren sehen die Ballerinen des späten 19. Jahrhunderts auf den Fotos ihrer Sankt Petersburger Uraufführungen aus, wesentlich fraulicher als heute. Auch die Waden von Pierina Legnani, Olga Preobraschenskaja, Virginia Zucchi oder Matilda Kschessinskaja sind deutlich kräftiger als die schlanken Fesseln ihrer aktuellen Kolleginnen, nach heutigen Maßstäben müsste man sie plump nennen.

Die Prinzen der damaligen Zeit – Pawel Gerdt, Lew Iwanow oder Sergei Legat – würden, um es ganz platt zu sagen, auf einer heutigen Bühne als Dornröschens Papa durchgehen, nicht nur aufgrund ihres vorgerückten Alters und der dicken Kostümierung. Auf den kurzen Filmaufnahmen, die es von Sergej Diaghilews Starballerina Tamara Karsawina gibt, und selbst noch in den sowjetischen Ballettfilmen der 1950er-Jahre sehen wir weitaus stärkere, rundlichere Körper, als wir sie von den heutigen Odettes oder Siegfrieds kennen, vor allem im Torso und den Oberschenkeln. Umso verblüffter ist man, wie rasend schnell sie sich bewegen. Gerade in Russland hat sich der Körperbau der Ballerinen völlig verändert, vergleicht man die Bilder ...

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Tanz 12 2022
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Angela Reinhardt

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