Johannes Öhman
Vor der Kantine der Deutschen Oper plätschern geschwätzig die Wasserspiele, die Sonne scheint, der Sommer glüht über Berlin. Dennoch hat die Stadt den Stimmungsvorhang heruntergelassen, wirkt müde und deprimiert. Es ist Tag 1 nach dem Debakel bei der Fußball-WM: «Gegen Südkorea hätte das deutsche Team nicht ausscheiden dürfen, aber offenbar hat die Dynamik nicht gestimmt.» Der Mann, der das sagt, muss es wissen. Er hat sieben Jahre lang gekickt, erst auf dem Bolzplatz, dann im Verein. Seitdem beherrscht er die Kunst des Teamplay.
Obwohl er die Fußballschuhe schon mit 14 Jahren an den Nagel hängte und stattdessen Ballettschläppchen anzog. Ein Dreiteiler von Jiří Kylián, den er in der Kungliga Operan von Stockholm sah, hat sein Leben verändert. Danach war ihm klar: «Ich will Tänzer werden.»
Johannes Öhman hat ein Schattenplätzchen gesucht, legt Lutsch-pastillen und sein Handy auf den Tisch. Nach beidem wird er im Lauf des Gesprächs immer wieder greifen. Er beantwortet zwar weder eingehende Anrufe noch SMS, lässt sich aber online das eine oder andere Wort aus dem Schwedischen übersetzen. Es hapert noch mit der Sattelfestigkeit im Deutschen. Die muss er sich allerdings nicht zwingend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2018
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Dorion Weickmann
Nach zwanzig Jahren wird in Genf Wirklichkeit, wofür die Szene seit 1998 kämpft. Die Stadt bekommt einen Pavillon de la Danse. Das ist nur folgerichtig, hat Genf doch die vitalste Tanzszene der Schweiz. Im Februar dieses Jahres hatte der Genfer Stadtrat einen Kredit von elf Millionen Schweizer Franken für eine demontierbare Konstruktion aus Holz bewilligt, die für...
Mehr als zwanzig Jahre lang hatten Mourad Merzouki und Kader Attou nicht mehr gemeinsam choreografiert. Vor etwa zehn Jahren wurden beide Direktoren eines Centre Chorégraphique National, gründeten ihre eigenen Festivals, produzierten mit ihren Kompanien beeindruckende, abendfüllende Stücke. 2017 kam der Vorschlag, mal wieder die Köpfe zusammenzustecken und...
Alida schließt die Fenster in der Arnulfstraße und lässt die schwarzen Filzvorhänge runter – jetzt können weder das Tageslicht noch die Geräusche aus der nahen Hauptbahnhof-Halle die konzentrierte Stimmung im Probenraum stören. Die sechs jungen Tänzerinnen stellen sich in der Ecke auf, sie sind in sanftes Kunstlicht getaucht, Alida steht zwei Schritte vor den...
