Jochen Ulrich

Linz

Tanz - Logo

Es gibt einen sehr schönen Moment in Jochen Ulrichs Ballett «Campo Amor» am Linzer Landestheater: Wenn sich im Bühnenhintergrund ein Kulissenvorhang herabsenkt, der das Bild einer zuvor nur angedeuteten Theaterruine vervollständigt. Da spiegelt sich das Theater in sich selbst, als Raum und als Illusion, die das Innere des berühmten Kinos und Theaters Campo Amor in Havanna zeigt: als Ruinenkulisse.
Ulrich hat sich viel Mühe gegeben mit dieser neuen Arbeit, die vom Publikum der oberösterreichischen Landeshauptstadt erfreut aufgenommen wurde.

  Nach einem filmhaften Projektionsvorspann mit Titel und Text, der von einer getragenen Stimme aus dem Off vorgelesen wird, quillt eine große weiße Stoffblase aus dem Orchestergraben, der allerlei Figuren entspringen. Sie tanzen zu Monteverdis live gespieltem und gesungenem «Il Combattimento di Tancredi e Clorinda». Einer der Sänger thront gar im Zentrum eines Fadenkreuzes auf einem Hochsitz.
Auf Monteverdi folgt als Orchestersuite und Klaviersolo Philip Glass’ «The Hours» und dann Purcells «Arie des Genius der Kälte», die durch Klaus Nomis überirdische Interpretation zu einer Pop-Nummer geworden ist.
Die Protagonisten Tancredi und Clorinda ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 44
von Helmut Ploebst

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jenseits

Drei Tage lang schienen sie dem Tod geweiht. Umgeben von Dunkelheit, Kälte, erdrückenden Wassermassen am Grund des Pazifiks. Das Tauchboot Pris As-28 hatte sich in der Verkabelung einer unterseeischen Abhöranlage verheddert. Dann werden die sieben russischen Matrosen geborgen. Und können den Himmel wieder sehen: «Hoch oben weites Blau»! Unfall und Bergung gehen...

Bacon Leibhaftig

1945 lautete das Verdikt der Kunstkritik, Bacon male «freaks and monsters»; grundsätzlich abgekommen ist man von der Lesart nicht. Immer noch unterstellt man dem Maler die – obzwar exzellente – Darstellung der «gequälten Kreatur», und «exzessiver Gewalttätigkeit». Und übersieht beinah, dass die menschliche, fleischliche Existenz, die er einfängt, nicht nur «ein...

Tanz kennt keine Nation

Wenn Medienpräsenz ein Indikator dafür ist, was uns bewegt, dann gibt es in den letzten Jahren einen klaren ersten Platz: das Wandern. Wir pilgern mit TV-Moderatoren zum Lebenssinn und stärken unseren Glauben an das Leistungsprinzip mit Auswanderer-Soaps. «Mein neues Leben» beginnt mit «Goodbye Deutschland». Wahrlich, unsere Sehnsucht ist grenzenlos. Aber jedes...