Jiri Bubenicek «Rachmaninov – zwischen den Welten»
Am Anfang und am Ende hat er den Koffer in der Hand. Allerdings unter vollkommen anderen Vorzeichen: Was als abenteuerliche Heimkehr beginnt, mündet Jahre später in eine Flucht als Folge des roten Terrors, der Russland nach der Revolution zerreißt. Also packt auch der Komponist Sergei Rachmaninow Hab und Gut, um mit Frau und Töchtern die Heimat zu verlassen. Er wird sie nie wiedersehen.
Wie schwer ihm die Trennung fällt, das unterstreicht Choreograf Jiří Bubeníček im Finale des ersten Aktes seines am Staatstheater Gera uraufgeführten Zweiteilers «Rachmaninov – Zwischen den Welten» so feinfühlig wie fantasievoll. Voraus gehen sechs lebhaft erzählte Szenen: mehrere Liebschaften, eine etwas unglücklich verpackte Roma-Episode, der Skandal um das verpatzte Debüt der Ersten Symphonie, die der alkoholisierte Alexander Glasunow ins Abseits dirigiert, die Piano-Lektionen des Lehrund Zuchtmeisters Nikolaj Swerew, schließlich die rote Heimsuchung – das alles hat Hand und Fuß und wird vom Thüringer Staatsballett inklusive Fernando Calatayud Panach in der Titelrolle überzeugend umgesetzt.
Der neue Ballettdirektor Vitaliy Petrov setzt als Nachfolger von Silvana Schröder auf die klassische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2025
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Dorion Weickmann
1948 schrieb George Orwell die Blaupause für alle Dystopien: «1984». Im Staat Ozeanien hat sich ein Terrorregime etabliert, es herrscht ununterbrochener Kriegszustand mit den Nachbarstaaten, Lebensmittel sind rationiert, die Bevölkerung steht unter ständiger Kontrolle. Und damit jegliches Aufbegehren gleich im Keim erstickt bleibt, wird unablässig an der Sprache...
2017 hatte Donald Trump gerade seinen Wahlkampf um die US-Präsidentschaft erfolgreich zu Ende geführt, als John Neumeier sein abendfüllendes Ballett in Hamburg uraufführte. 2025 tritt Trump seine zweite Präsidentschaft an, und die Neueinstudierung scheint daran zu erinnern. Großer Wahlkampf jedenfalls auf der Stuttgarter Bühne: Auch wenn auf den Plakaten ein...
Der altbekannte Ballsaal ist wieder da. Ein bisschen runtergekommen wirkt dieses Bühnenbild, ein bisschen spießig, ein bisschen heimelig, man glaubt, kalten Rauch zu riechen, abgestandenen Schweiß, Staub vielleicht. Der Ballsaal also sieht so aus, wie ihn Rolf Borzik 1978 ins Wuppertaler Opernhaus gebaut hat, für die Premiere von Pina Bauschs «Kontakthof». Obwohl,...
