Jenseits
Heiner Müller, größter aller DDR-Dramatiker, ließ in seinem gewaltigen Textopus «Anatomie Titus Fall of Rome» – eine Überschreibung von Shakespeares Blut- und Rachedrama «Titus Andronicus» – das Volk im Vorhof des Palastes tanzen. Und schrieb dazu Sätze in bombastischen Lettern wie:
«AUS IHREN NETZEN SCHAUN DIE SPINNEN ZU EIN WENIG TANZEND IN DEM WELLENGANG MIT DEM DIE STADT DEN LÄRM DER HIGHWAYS FORTPFLANZT MANCHMAL IM TANZSCHRITT EINE FLIEGE PFLÜCKEND».
Niemand konnte so elegant die räuberische Natur des Kapitalismus beschreiben wie der 1995 verstorbene Heiner Müller. Das Kapital tanzte bei ihm im «Krebsgang» – eine Bewegung, die rückwärts geht, wenn sie meint, nach vorn zu stürmen. Diesen Tanzschritt übersetzt nun seine Witwe, brigitte maria mayer, in ein nicht minder gewaltiges Opus, eine Filminstallation mit drei synchronen Leinwänden, die vom 25. April bis zum 7. Juni in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz zu sehen ist. Der «Passionsweg durch die Moderne» mit Stars wie Jeanne Moreau und Tänzerinnen des Staatsballetts Berlin wurde in China, Ghana, Ägypten gedreht – immer auf der Suche nach den Spinnen der heutigen Politik
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Jaroslaw Jurasz
«Alexis Zorbas»
Unvergesslich die Schlusssequenz aus Michael Cacoyannis’ Film von 1964, in der Alexis Zorbas alias Anthony Quinn den Sirtaki tanzt. Alles hat er nach dem Zusammenbruch seiner Seilbahn verloren, nur nicht seine Lebensfreude. In Halberstadt dampft Jaroslaw Jurasz die 360 Seiten von Nikos Kazantzakis’ Roman auf ihren tanzbaren Extrakt...
«Ich entwickle mich langsam. Ich bin nicht jemand, der steil aufsteigt. Natürlich verfolge ich auch eine Ästhetik und eine Linie, die aber nicht trendig ist. Auf längere Sicht zeigt sie aber vielleicht eine Perspektive auf, die überleben kann.» So bescheiden klang der Schweizer vor vielen Jahren. Aber er behielt recht. Seit 1999 leitet der heute 49-Jährige das...
Warum nicht gleich «Le Martyre de Saint-Sébastien»? Das Debussy-Ballett, zuletzt von Uwe Scholz für die Mailänder Scala choreografiert, hätte Vladimir Malakhov bei der Premiere keine Buhrufe eingetragen. Sie waren auch bei «Caravaggio» nicht wirklich gerechtfertigt. Doch während hier die Geschichte des italienischen Malers ein Vorwand scheint, den männlichen...
