Jenseits
Heiner Müller, größter aller DDR-Dramatiker, ließ in seinem gewaltigen Textopus «Anatomie Titus Fall of Rome» – eine Überschreibung von Shakespeares Blut- und Rachedrama «Titus Andronicus» – das Volk im Vorhof des Palastes tanzen. Und schrieb dazu Sätze in bombastischen Lettern wie:
«AUS IHREN NETZEN SCHAUN DIE SPINNEN ZU EIN WENIG TANZEND IN DEM WELLENGANG MIT DEM DIE STADT DEN LÄRM DER HIGHWAYS FORTPFLANZT MANCHMAL IM TANZSCHRITT EINE FLIEGE PFLÜCKEND».
Niemand konnte so elegant die räuberische Natur des Kapitalismus beschreiben wie der 1995 verstorbene Heiner Müller. Das Kapital tanzte bei ihm im «Krebsgang» – eine Bewegung, die rückwärts geht, wenn sie meint, nach vorn zu stürmen. Diesen Tanzschritt übersetzt nun seine Witwe, brigitte maria mayer, in ein nicht minder gewaltiges Opus, eine Filminstallation mit drei synchronen Leinwänden, die vom 25. April bis zum 7. Juni in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz zu sehen ist. Der «Passionsweg durch die Moderne» mit Stars wie Jeanne Moreau und Tänzerinnen des Staatsballetts Berlin wurde in China, Ghana, Ägypten gedreht – immer auf der Suche nach den Spinnen der heutigen Politik
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Márcia Haydée
«Het Zwanenmeer»
Am Schluss formieren sich beim Koninklijk Ballet van Vlaanderen die gefiederten Tänzerinnen um Rothbart zu einem undurchdringlichen Ring. Sein Bann aber ist nicht gebrochen. Schwäne sind es, die den Magier schnäbelnd niedermachen. Tippelnd triumphieren sie in tierischer Gestalt. Die ersehnte Erlösung, die Rückverwandlung in menschliche...
Was andere davon abhält, die Tanzfläche überhaupt zu betreten – für Patie Ventre gibt es kaum etwas Schöneres: Ihr Tanzpartner hat zwei linke Füße. Dafür lässt er sich aber bereitwillig kommandieren. Tritt er ihr auf die Zehen – seine schmachtend treuen Hundeaugen entschädigen für alles.
Die flamboyante US-Amerikanerin und, ihr gleich, wetteifernde regionale,...
Warum nicht gleich «Le Martyre de Saint-Sébastien»? Das Debussy-Ballett, zuletzt von Uwe Scholz für die Mailänder Scala choreografiert, hätte Vladimir Malakhov bei der Premiere keine Buhrufe eingetragen. Sie waren auch bei «Caravaggio» nicht wirklich gerechtfertigt. Doch während hier die Geschichte des italienischen Malers ein Vorwand scheint, den männlichen...
