Jenseits
Draußen vor den großen Sichtfenstern fegt der Wind und weint der Himmel, drinnen im Project Space der Kunsthalle Wien ist es unheimlich warm. Aus Lautsprecherboxen quäkt Hitlers Stimme eine Hetzrede gegen das Judentum. Das Publikum schwitzt ein wenig, während der südafrikanische Performer Steven Cohen mit zwei phallischen Miniaturkameras seinen Körper untersucht. Äußerlich und innerlich. Sein Gaumenzapfen stößt wie ein Penis in Richtung Linse, die Öffnung an der Spitze seiner Eichel macht einen Plappermund, und aus dem Innern seines Rektums übertragen sich diffuse Schatten.
Ein Höhlengleichnis zu «Sieg Heil!»-Gebrüll aus der Pandora-Konserve.
Dancing Inside Out heißt die Tanzperformance des politisch engagierten, 1962 geborenen Künstlers, der Drag-Glamour mit politischen Affront-Signalen mischt. Geschichte ist ein giftiger Sud. Steven Cohen fischt Zeichen, Bilder, Memorabilien und tanzt darauf. Eine so glitterige wie schrottige Figur, deren Gasmaskenspiel der Genitalien (Verzeihung, Herr Herzmanovsky-Orlando!) spitz auf das NS-Dokumentationsgeschwitze verweist, das diverse TV-Stationen seit einiger Zeit umtreibt. Wider allmögliche Diskursblockaden setzt Cohen einen tragikomischen ...
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Leipzig: Ob seherische Fähigkeiten oder realpolitische Einsichten Leipzigs Ex-Intendanten Udo Zimmermann im Januar 1996 vor der «Schwanensee»-Premiere mutmaßen ließen, in der nächsten Spielzeit könne sich sein Haus eine so aufwändige Produktion nicht mehr leisten – er sollte Recht behalten. Damals konnte Uwe Scholz noch mit einem 30-köpfigen, durch fünf...
Während sieben Seiten flieht Stefano vor dem «K», haiähnliches Monster und Schrecken aller Fischer. Auf der achten Seite erst, viele Jahrzehnte später und bereit, dem Tod in die Augen zu schauen, stellt Stefano fest, dass das Ungetüm bloß Gutes will: ihm eine Perle schenken. Sein ganzes Leben lang glaubte sich Stefano bedroht und verfolgt. Zu Unrecht. Diese Parabel...
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