Jenseits

Steven Cohen unterzieht in Wien seinen Körper einer ausführlichen Introspektion und lässt dazu Hitler bellen.

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Draußen vor den großen Sichtfenstern fegt der Wind und weint der Himmel, drinnen im Project Space der Kunsthalle Wien ist es unheimlich warm. Aus Lautsprecherboxen quäkt Hitlers Stimme eine Hetzrede gegen das Judentum. Das Publikum schwitzt ein wenig, während der südafrikanische Performer Steven Cohen mit zwei phallischen Miniaturkameras seinen Körper untersucht. Äußerlich und innerlich. Sein Gaumenzapfen stößt wie ein Penis in Richtung Linse, die Öffnung an der Spitze seiner Eichel macht einen Plappermund, und aus dem Innern seines Rektums übertragen sich diffuse Schatten.

Ein Höhlengleichnis zu «Sieg Heil!»-Gebrüll aus der Pandora-Konserve.

Dancing Inside Out heißt die Tanzperformance des politisch engagierten, 1962 geborenen Künstlers, der Drag-Glamour mit politischen Affront-Signalen mischt. Geschichte ist ein giftiger Sud. Steven Cohen fischt Zeichen, Bilder, Memorabilien und tanzt darauf. Eine so glitterige wie schrottige Figur, deren Gasmaskenspiel der Genitalien (Verzeihung, Herr Herzmanovsky-Orlando!) spitz auf das NS-Dokumentationsgeschwitze verweist, das diverse TV-Stationen seit einiger Zeit umtreibt. Wider allmögliche Diskursblockaden setzt Cohen einen tragikomischen ...

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Tanz März 2006
Rubrik: Jenseits, Seite 74
von Helmut Ploebst

Vergriffen
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