Jenseits

Ganzkörpermasken: Hamburg erinnert sich an Lavinia Schulz und ihre Maskentänze in der Zwischenkriegszeit

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Keine Zeit war Kapital und Industrie gegenüber kritischer als der deutsche Expressionismus. Mit Karl Marx in der Tasche formierte sich eine antikapitalistische Ökobewegung, die 1968 mehr ihr Revival als ihre Fortsetzung erfuhr. Die künstlerische Kritik fand zwischen den Weltkriegen statt: als Hexentanz und Dämonenmode hinter grotesken Masken.

Mit Mary Wigman, Oda Schottmüller, und, wie nun innerhalb der Ausstellung «Entfesselt» im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen: mit den schweren Ganzkörpermasken von Lavinia Schulz und ihrem Partner Walter Holdt. Zwanzig Kostüme aus Sperrholz, Sackleinen, Industrieabfällen sind erhalten. Darin war nicht elegant zu tanzen, es war eine Kraftanstrengung, denn «Kunst muss gegen Widerstände erkämpft werden, sonst taugt sie nichts». Und für Kunst Geld zu nehmen, war für Lavinia Schulz eine «Todsünde» gegen die Freiheit. Mit künstelndem Klagegesang und kultischer Kunstchoreografie wurden die schweren Rüstungen meist nur vor Freunden betanzt. Die Kritik war eigens ausgeladen, Erfolg galt als verpönt trotz der irren Not jener Zeit, die künstlerische Radikalität und Verzweiflung förderte. Am 18. Juni 1924 erschoss Lavinia Schulz in Hamburg ...

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Tanz Mai 2006
Rubrik: Jenseits, Seite 82
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