Jean-Baptiste André: "Comme en plein jour"
Jean-Baptiste André ist ein Artist, den es zur zeitgenössischen Bühnenkunst verschlägt. Er wirkt dort wie ein Hai als gut getarnter Goldfisch. Denn André hat eine Kleinigkeit seinen Kollegen vom Tanz voraus: Er steigt viel zu mühelos die Wände hoch, könnte ewig mit nur einer Hand auf dem Kopf stehen. Aber das tut er nicht, weil’s zu sehr nach Akrobatik aussähe.
Jean-Baptiste André, Jahrgang 1979, ist nun mal am Centre National des Arts du Cirque in Châlons-en-Champagne ausgebildet, und was er von dort zum zeitgenössischen Tanz beisteuert, kann man nur hochachtungsvoll das Understatement seiner gelernten Kunst nennen, zu der neben der Akrobatik auch die Clownerie gehört. Sein Signaturstück heißt «Intérieur nuit». Er dreht seine kleine Videokamera um 90 Grad, sodass der Mann, der mühelos mit beiden Beinen an der Wand steht, für die Projektion wirkt, als läge er genüsslich am Boden. Legt er sich dann mühelos zu Boden, sieht seine Position für die Kamera so aus, als sei er ein verteufelt guter Akrobat. Was er auch ist.
Auch in «Comme en plein jour» versucht er, seiner Zirkuskunst zu entkommen: diesmal als Weißclown mit einem Renaissancekragen. Wieder sind es Kleinigkeiten, die den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bilder vom Schlosspark in Versailles grüßen von der Bühne des Palais Garnier. Barock ist wieder in, wie die Hauptstadt Berlin mit dem geplanten Wiederaufbau seines Stadtschlosses beweist. Frankreich beispielsweise wird geradezu überschwemmt von einer Welle von Büchern und Filmen über das tragische Schicksal der liebenswerten Marie-Antoinette. Und wer ist Nicolas...
«Follow the heart beat rhythm», lautet der vertrauenswürdige Tipp eines gut gelaunten Rastaman, dessen Lächeln mit der aufgehenden Sonne über den Dächern der School of Dance in Kingston um die Wette strahlt. Bob Marley hat das zuerst besungen, diese ungemein coole Leichtigkeit der Ästhetik hier – One Love. Und so hören sie sich an: Ethiopian Binghi Drums, immer...
«Du guter Gott», hat sich schon vor mehr als hundert Jahren Eduard Hanslick gefragt, «was gehen uns die Gottheiten an? Die zärtlichen Liebespirouetten von Nymphen und Schäferinnen, die begeisterten Bocksprünge unsauberer Faune, diese immer sprungbereite Allmacht Dianas oder Amors? Für wen haben sie noch ein dramatisches Interesse?» Und der Kritiker aller Kritiker...
