Dancehall in Jamaica
«Follow the heart beat rhythm», lautet der vertrauenswürdige Tipp eines gut gelaunten Rastaman, dessen Lächeln mit der aufgehenden Sonne über den Dächern der School of Dance in Kingston um die Wette strahlt. Bob Marley hat das zuerst besungen, diese ungemein coole Leichtigkeit der Ästhetik hier – One Love. Und so hören sie sich an: Ethiopian Binghi Drums, immer geradeaus dem eigenen Pulsschlag respektive den aus dem Studio herüberschallenden Trommeln nach. Man fühlt das in den nackten Füßen, wenn der Boden vibriert und der Rhythmus so umstandslos in den eigenen Körper fährt.
Ein Ventilator kreist über dem durchtanzten Parkett, und Moskitos summen mit besonderer Vorliebe um meine bleichen Waden. Da hilft nur der Blick auf die Blue Mountains. Alles scheint irgendwie in ureigener Bewegung, selbst die Landschaft schwingt. Das trifft auch auf deren meisterhafte Tänzer zu, deren kulturelle Wurzeln so weit verzweigt sind wie die der uralten Bäume bei Ocho Rios. Verzeihung, wenn ich mich bei so viel Eleganz um mich herum ein wenig tölpelhaft gebärde. Das sieht bei mir nämlich kein bisschen so gut aus wie beim Tänzer da vorn, der mit seinen wunderschönen Rastazöpfen ganz locker auf und ab ...
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Mathilde Monnier, die Entdeckerin. Immer auf Abwegen, immer auf dem Sprung, Tanz infrage zu stellen, indem sie ihn mit anderen Welten konfrontiert. Literatur, Philosophie, Psychiatrie oder Gesang. Jedes Mal erforscht sie die Grenzen des Ausdruckmittels Tanz. Sobald sie 1994 die Leitung des Centre chorégraphique national in Montpellier übernahm, trieb sie die...
Butoh geht es gut, solang er die Abenteurer fasziniert. Joaxhim Manger baute in Afrika Staudämme. Heute schweißt er zwei Pfannen luftdicht zusammen. Dann unter Hochdruck gesetzt, wölben sich die Stahlbehälter gegen die eigene Schweißnaht. Nur Ventil und Düse schauen gefährlich aus den Tellerminen. Manche sind groß wie Lastwagenreifen, andere klein wie ein Wok....
Es war ein unerhörter Skandal, ein «beispielloser Vorgang in den Prunkgemächern der Oper», wie der Chronist Théophile Gautier am 5. November 1838 berichtete: «Es gab Tumult, Aufstand, Bacchanal, eine Schlacht der Fausthiebe gegen frenetische Bravos.» Ehrenwerte Pariser Bürger gerieten handgreiflich aneinander, die Schreckensschreie ihrer Begleiterinnen hallten...
