Dancehall in Jamaica
«Follow the heart beat rhythm», lautet der vertrauenswürdige Tipp eines gut gelaunten Rastaman, dessen Lächeln mit der aufgehenden Sonne über den Dächern der School of Dance in Kingston um die Wette strahlt. Bob Marley hat das zuerst besungen, diese ungemein coole Leichtigkeit der Ästhetik hier – One Love. Und so hören sie sich an: Ethiopian Binghi Drums, immer geradeaus dem eigenen Pulsschlag respektive den aus dem Studio herüberschallenden Trommeln nach. Man fühlt das in den nackten Füßen, wenn der Boden vibriert und der Rhythmus so umstandslos in den eigenen Körper fährt.
Ein Ventilator kreist über dem durchtanzten Parkett, und Moskitos summen mit besonderer Vorliebe um meine bleichen Waden. Da hilft nur der Blick auf die Blue Mountains. Alles scheint irgendwie in ureigener Bewegung, selbst die Landschaft schwingt. Das trifft auch auf deren meisterhafte Tänzer zu, deren kulturelle Wurzeln so weit verzweigt sind wie die der uralten Bäume bei Ocho Rios. Verzeihung, wenn ich mich bei so viel Eleganz um mich herum ein wenig tölpelhaft gebärde. Das sieht bei mir nämlich kein bisschen so gut aus wie beim Tänzer da vorn, der mit seinen wunderschönen Rastazöpfen ganz locker auf und ab ...
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William Forsythe baut «Heterotopia»: Eine große Halle wird in zwei Räume geteilt, in denen sich der Zuschauer frei bewegen und das Spektakel aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Wie lang er bleibt, entscheidet er selbst. Er begibt sich in ein ödes, graues Niemandsland, in ein Land, wo die Zeit ebenso wie die zunächst spärlichen klanglichen Impulse...
Auch nach dem Leben gibt es ein Leben. Gérard, gebeugt unter der Last des Alters, erinnert sich seiner Jugend: Elisabeth, die er bis zur Selbstverleugnung verehrt, und Paul, der geliebte Freund: Bruder und Schwester, die selbst im Tod nicht voneinander lassen können, geschweige denn im Leben, dem sie selbst ein Ende setzen. Hannes Seebauer erzählt, und von der...
Es war ein unerhörter Skandal, ein «beispielloser Vorgang in den Prunkgemächern der Oper», wie der Chronist Théophile Gautier am 5. November 1838 berichtete: «Es gab Tumult, Aufstand, Bacchanal, eine Schlacht der Fausthiebe gegen frenetische Bravos.» Ehrenwerte Pariser Bürger gerieten handgreiflich aneinander, die Schreckensschreie ihrer Begleiterinnen hallten...
