Jean- Sébastien Lourdais
Wenn Sie die Gelegenheit haben, Jean-Sébastien Lourdais’ intuitive Körperlichkeit zu erleben, ergreifen Sie sie! Der Autodidakt mit der untypischen Herangehensweise kommt ursprünglich aus Frankreich, lebt aber seit über einem Jahrzehnt in Montreal. Bei ihm sprechen Gesten eine lautere Sprache als Worte. Er betont das Instinktive und präsentiert Figuren im Zustand deformierter Dekonstruktion. Ich habe Arbeiten von ihm gesehen, in denen er und seine Performer zu bellenden, quakenden, schnaubenden Tieren werden.
Ein andermal stand er mit schweren Gliedern, besessen von der Bewegung, auf allen vieren.
Lourdais’ Ansatz ist alles andere als intellektuell. Eher scheint er innere Gefühls- und Verhaltenshindernisse zu überwinden. Diese Verschiebungen verlangen viel Vertrauen von seinen Darstellern. Aber das Ergebnis ist erstaunlich. Wir haben es hier nicht einfach mit Theater zu tun, sondern mit Darstellern, die einen bestimmten Ausschnitt der Realität bewohnen. Voraussetzung dafür ist absolute Offenheit und die bedingungslose Bereitschaft, Lourdais zu folgen. Seine Figuren haben etwas Dramatisches und Dysfunktionales – einen Kritiker erinnerte ihre Bühnenpräsenz kürzlich an «katatonische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer die siebzehn Shaolin-Mönche aus Henan in China gesehen hat, vergisst sie nicht so schnell. Da sitzt vorn der 12-jährige Kung-Fu-Novize Dong Dong mit verschränkten Beinen gegenüber einem Mastermind, dem belgischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui. Beide beugen sich über das Modell einer Bühne, die der Turner-Preisträger Antony Gormley entworfen hat: Hell und...
Höchste Zeit, dass dieser Choreograf seine überbordenden Ideen, seine szenischen Verrücktheiten, Bewegungsfantasien und Multimedia-Experimente endlich dosiert und auf ein abendfüllendes Stück verteilt.
Cayetano Soto ist ein Schnelldenker mit einem Problem: Er kann seine Fantasien kaum disziplinieren. Bislang hat der 1975 geborene Spanier mit kürzeren Produktionen...
Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen, bei den größten spanischen Festivals einige wahrhaft inspirierende junge Tänzer und Choreografen zu sehen. In Madrid beim Escena Contemporanea Festival 2008 trat die Cía de Dança Membros auf, eine herausragende Gruppe junger Männer aus Macae, Brasilien, die in «Raio X» HipHop und zeitgenössischen Tanz zu einer brutalen Kritik an...
