Jared Gradinger
Jared Gradinger und Angela Schubot stehen sich gegenüber und schließen die Augen. Bis zum Ende ihrer knapp einstündigen Tanzperformance «is maybe» im Juni im Berliner HAU werden sie sie nicht öffnen. Eyes wide shut. Kein Blick fällt auf den anderen. Denn Blicke schaffen Distanz. Die beiden sehnen sich nach grenzenloser Nähe. «is maybe» kreist um den Wunsch, vom eigenen Ich erlöst zu werden. Zu zarten Ambient-Klängen dringen die Tänzer tiefer und tiefer in die Sphäre reiner Empfindung.
Erschöpft, aber glücklich sei er, sagt Gradinger im Gespräch.
Er wirkt wie jemand, der gerade eine intensive Erfahrung gemacht hat, für den sich eine Tür geöffnet hat. «Wir hatten eine zweieinhalbjährige Forschungsphase hinter uns. Unsere Körper waren so hungrig, als wir mit den Proben zu ‹is maybe› begannen.» Mit geschärften Sinnen bewegen sie sich aufeinander zu, zuerst ist alles nur Tasten, nicht mal Anfassen. Eine hoch erotische Szene. Dann presst er seine Hand in ihr Gesicht, sie drückt ihn mit ihrem Gewicht zu Boden. Beide japsen wie Wrestler bei ihren eisernen Umklammerungen. Was so zärtlich begann, wird zum aggressiven Akt.
Auch die schwebenden Skulpturen von Mark Jenkins zeigen die ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Performer des Jahres, Seite 123
von Sandra Luzina
Sie sind ja so diszipliniert, schnurrte es aus den Nachrichten. Bewunderung für die Fähigkeit der Japaner, großes Leid mit äußerer Fassung zu tragen. In die Bewunderung mischten sich bald andere Töne: diszipliniert ja. Aber auch obrigkeitshörig, eigentlich. Ein peinlicher Ausrutscher passierte knapp drei Monate nach der Katastrophe von Fukushima einer...
Filmen ist nicht tanzen
Studiert hat sie Tanz am Martha Graham Center of Contemporary Dance in New York, dann an der School for New Dance Development in Arnheim. Dort arbeitete sie auch mit ihrer soeben graduierten Kollegin Sasha Waltz, später in London bei Gaby Agis und in Italien bei der Company Blu Danza. Das mit dem Film habe sie ziemlich naiv angefangen, sagt...
Die Gruppe nach dem Solo
Für seine Solistenkarriere bei der Mark Morris Dance Group bekam er 2010 den «Bessie Award». Er tanzte, trainierte die Kompanie bei Tourneen, gab Unterricht für Studenten, manchmal auch für Kinder, unterrichtete «Mark Morris stuff» und beteiligte sich an «Outreach»-Projekten. Das Übliche eben. Seit 1997 ist David Leventhal Mitglied der...
