oleksandr stoianov
Von Rudolf dem Großen (alias Nurejew) geht die Sage, er habe rücklings seine Pomuskeln spielen lassen, sobald der Publikumsblick etwas zu lang auf der jeweiligen Ballerina verweilte. Der erotische Mehrwert des Hinternspektakels soll dem Vernehmen nach jede noch so verführerische weibliche Rundung in den Schatten gestellt haben.
Nicht von ungefähr kommt einem genau diese Anekdote in den Sinn, kaum dass Oleksandr Stoianov, gerade mal 24 Jahre jung, bei der Berliner Japan-Benefizgala Agrippina Waganowas Pas de deux «Diana und Aktäon» zum Besten gibt – mit einer Partnerin, die ihm leider nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann. Ein Hauch von «Rudik» schwebt über dem Saal, wenn Stoianov aus der Kulisse spaziert und sich für Sprünge präpariert, die das Bühnendach zu eliminieren scheinen. Schmal und hoch gewachsen kommt er daher, ausgeprägte Wangenknochen über filigran verästelten Zügen – und schon steht ihm jene kaum merkliche Prise Arroganz ins Gesicht geschrieben, die das Wissen um die eigene Wirkung hervorbringt.
Seit fünf Jahren gehört der in Jalta geborene Stoianov dem Ballett der Staatsoper Kiew an und stromert dortselbst mit hoher Verlässlichkeit durchs klassisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 152
von Dorion Weickmann
Das tunesische Choreografenpaar pendelt seit Jahren zwischen Lyon und Tunis, doch mit und seit der Revolution verlegten sie ihren Schwerpunkt in die alte Heimat zurück: als künstlerische Kodirektoren programmierten sie im Mai die zehnte Edition des renommierten Festivals «Rencontres Chorégraphiques de Carthage». Seit 2002 arbeiten die Mittdreißiger zusammen,...
«F.U.B.A.R». steht für «Fucked Up Beyond Any Recognition» und bezeichnet militärische Zerstörung bis zur Unkenntlichkeit. Kirstine Ilum besitzt in diesem Stück den furchtlosen Hang zur extremen Aktion, kontrolliert nur durch ihren starken künstlerischen Willen, der selbst die Jungs des Mute Comp. Physical Theatre noch um Längen schlägt. Der Vergleich mit der Armee...
Joachim Gerstmeier, was kuriert ein Kurator?
Ich sehe ihn nicht als Heiler, wie es das Wort nahelegt – im besten Fall als Akupunkteur. Mit der Ableitung von dem Lateinischen curare (sorgen, pflegen, bewahren) ist aber das ganze Spektrum angesprochen, vom Verwalter und Manager bis hin zum Künstler und Priester. Seine Begriffsgeschichte liegt in der bildenden Kunst....
