Ivo Dimchev
Wenn sich etwas (oder jemand) als «Bruch» präsentiert, sollte man ihm miss-trauen. Weil die Theater und Festivals zwar neu, anders und radikal sein, doch immer ihre Zuschauermassen befriedigen müssen, zeigen sie jeden Künstler, der verspricht, nicht nur nackt zu sein (was längst nicht mehr radikal ist), sondern weiter zu gehen, nämlich der eigenen Haut treu zu bleiben. Man hat uns ganze Festivals angeboten, bei denen es um nichts als diesen Vakuumwunsch des Andersseins-um-jeden-Preis ging.
Und so von einem Festival, von einem Theater zum nächsten, dank des Wunders der Globalisierung – überall präsentieren dieselben Künstler dieselben Dinge, gerechtfertigt nur durch die einzige Wahrheit der Darstellenden Künste: Man sieht nur, was man sehen will.
Die Arbeit von Ivo Dimchev setzt die Idee der Nähe, der Überschreitung durch Identifikation aufs Spiel, indem er sich selbst und nur sich untersucht. Sein radikaler Stil, der seinen Körper (und nicht «den» Körper) benutzt, stellt den inflationären Diskurs über den Körper bloß. «Lili Handel», sein Alter Ego, und ein paar andere Stücke (ich würde sie gerne «Augenblicke der Wahrheit» nennen, inklusive Anführungszeichen), in denen er u. a. über ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schwarzsehen gilt nicht. Schon gar nicht für die Zukunft. Ein halbes Dutzend Stücke hat Marco Goecke in den vergangenen Monaten choreografiert, darunter immerhin Auftragsproduktionen für Les Ballets de Monte Carlo, das Nederlands Dans Theater II, Scapino Ballet Rotterdam, das Nors-ke Nasjonalballetten und für das Stuttgarter Ballett, bei dem er weiterhin unter...
Lang lebte die zeitgenössische Tanzszene von Erinnerungen. Zwei Generationen Tänzer hatten sich von Carolyn Carlson inspirieren lassen und/oder zehrten von ihren Studienaufenthalten in New York … Aber Neues spross wenig in Italien, während die Avantgarde von einst langsam ranzig wurde. Verrückt, denn Theater aller Größen und sogar vorsichtig neugieriges Publikum...
Die Brasilianerin nähert sich zwar den Best-Ager-Jahren. Aber ihr Tanztheater ist so sportiv und trendy, dass es jüngere Konkurrenten mitunter locker abhängt. So hat die Choreografin mit akrobatischen Kunststückchen experimentiert, als die übrige Szene das Zirkusgewerbe noch für einen schmuddeligen, scheintoten Nachbarn hielt. «Rota», 1997 für Colkers Companhia de...
